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Die Lage · Ausgabe 20

Montag, 20. Juli 2026

Der Krieg zwischen den USA und dem Iran beherrscht den neunten Tag in Folge die Weltlage. In der Nacht flog das US-Militär erneut Angriffe, ein dritter US-Soldat kam im Nordirak ums Leben, und der Iran beschoss US-Stützpunkte in Kuwait und Jordanien. In der Straße von Hormus brannte abermals ein Tanker, doch rund zwei Drittel des Schiffsverkehrs laufen weiter. Ein vorläufiger Friedensplan ist gescheitert, und Diplomaten warnen vor einem Abgleiten in einen umfassenden Regionalkrieg. Unmittelbar spürbar ist der Krieg an den Märkten: Der Ölpreis stieg über 90 Dollar je Barrel und setzt Währungen, Aktien und die Inflationserwartungen unter Druck.

In der Ukraine antwortete Kiew auf einen der schwersten russischen Raketenangriffe seit Kriegsbeginn mit mehr als 400 Drohnen auf die Region Moskau; zugleich vertieft Putin mit dem Empfang der nordkoreanischen Außenministerin die Achse Moskau-Pjöngjang-Peking. In Europa ordnet sich die Politik neu: Großbritannien bekommt mit dem Labour-Politiker Andy Burnham einen neuen Premier, in Ungarn soll die Schachlegende Judit Polgár Präsidentin werden, und in Deutschland sucht die Union nach dem Rücktritt von Jens Spahn einen Fraktionschef. Im Nahen Osten marschieren Tausende Israelis für neue Siedlungen an die Gaza-Grenze, und der Druck Chinas auf Taiwan wächst.

In der Wirtschaft dominiert neben dem Ölpreis die Sorge um Deutschlands Industrie: Chinas Luxussteuer setzt den Premium-Autobauern zu, und Europas teure Aufrüstung droht an der Abhängigkeit von chinesischen Rohstoffen zu scheitern. Zugleich gibt es positive Signale: Die Verdienste stiegen 2025 um 5,1 Prozent stärker als die Inflation, und Elektroautos sind laut einer Studie seit 2020 deutlich billiger geworden.

In der Technologie verschieben sich die Gewichte. China treibt seine KI-Industrie mit Börsengängen und über 400 humanoiden Robotern voran, stößt aber bei der Rechenkapazität an Grenzen. An den Börsen wächst zugleich die Skepsis: Anleger schichten von den großen Tech-Werten in neue Favoriten um, und im Speicherchip-Markt geht die Angst vor einem neuen Boom-und-Bust-Zyklus um. Die Grundfrage bleibt, wie nachhaltig der KI-getriebene Aufschwung ist.

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Geopolitik
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Neunte Nacht im US-Iran-Krieg: dritter US-Soldat tot, Tanker in Hormus brennt

Hormus-Iran-KriseNahostÖlmarkt

Die US-Streitkräfte haben in der neunten Nacht in Folge Ziele im Iran angegriffen; im Nordirak kam ein weiterer US-Soldat bei der Sprengung einer iranischen Drohne ums Leben. Teheran meldete Angriffe auf US-Stützpunkte in Kuwait und ein Flugziel in Jordanien, während in der Straße von Hormus erneut ein Schiff brannte. Der Ölpreis stieg über 90 Dollar.+ mehr Blickwinkel

In der neunten Nacht in Folge flog das US-Militär nach eigenen Angaben Schläge gegen Kommandozentralen und Kommunikationsnetze im Iran; Präsident Trump erklärte, die Angriffe erfolgten ‚zu Ehren‘ getöteter Soldaten. Bestätigt ist der Tod eines weiteren US-Soldaten bei der Sprengung einer iranischen Drohne im Nordirak, womit die Zahl der jüngsten US-Toten auf drei stieg (Al Jazeera zählt seit Kriegsbeginn 17). Westliche Medien wie der Guardian und die New York Times betonen, dass ein vorläufiger Friedensplan am Streit über die Straße von Hormus gescheitert ist und sich die US-Mission laut Energieminister Wright vor allem auf die Sicherung der Ölflüsse verlagert habe; Kritiker sprechen von einem ‚Krieg der Wahl‘. Iranische und staatsnahe Quellen wie Global Times und die serbische Politika berichten von Explosionen in mehreren Städten und werfen den USA vor, zivile Anlagen und das Kernkraftwerk Darkhovin getroffen zu haben. Teheran meldete Raketenangriffe auf die Luftwaffenbasis Ali Al Salem in Kuwait sowie auf US-Flugzeuge am jordanischen Flughafen Aqaba; laut B92 erwägt der Iran sogar einen Bodenvorstoß auf US-Basen in Kuwait. In der Straße von Hormus brannte erneut ein Tanker, doch Washington versichert, rund zwei Drittel des Schiffsverkehrs liefen weiter. Die USA verlegen zusätzliche Kampfjets in die Region, und Diplomaten warnen laut Haaretz vor einem Abgleiten in einen umfassenden Regionalkrieg.

Die WeltThe GuardianAl JazeeraPolitikaHandelsblatt

Geopolitik

Ukraine-Krieg: über 400 Drohnen auf die Region Moskau, Russland beschießt Kiew

RusslandUkraine-Krieg

Nach einem der schwersten russischen Raketenangriffe auf Kiew seit Kriegsbeginn zielten in der Nacht mehr als 400 ukrainische Drohnen auf die Region Moskau, die nach Angaben des Bürgermeisters ‚größtenteils‘ abgefangen wurden. Bei ukrainischen Angriffen auf Wildberries-Lager nahe Moskau kamen mindestens acht Menschen ums Leben. Die EU ringt derweil um neue Russland-Sanktionen.+ mehr Blickwinkel

Russland überzog Kiew in der Nacht zum Sonntag mit einer der größten ballistischen Angriffswellen seit Kriegsbeginn; Bewohner berichteten der taz von Einschlägen ‚im Minutentakt‘. In der Folgenacht zielten nach Angaben des Moskauer Bürgermeisters mehr als 400 ukrainische Drohnen auf die Hauptstadtregion, die ‚größtenteils‘ abgefangen worden seien. Ukrainische und westliche Quellen wie Le Monde und Le Figaro betonen die zunehmend wirksame Drohnenstrategie gegen russische Logistik und die ‚Schattenflotte‘; die unabhängige russische Meduza schildert Chaos und mangelnde Entschädigung nach den Bränden zweier Wildberries-Lager bei Moskau und in Tambow, wo mindestens acht Menschen starben und über 80 verletzt wurden. Die staatsnahe serbische Politika hebt hingegen drei verletzte Kinder bei einem Drohnenangriff auf das russische Dorf Rasumnoje hervor und meldet, Russland habe über 5.000 ukrainische Drohnen abgeschossen. Beide Seiten rücken jeweils die zivilen Opfer der Gegenseite in den Vordergrund. Überschattet werden die Angriffe von einer innenpolitischen Krise in Kiew rund um den Umbau der Militär- und Regierungsführung. Die Financial Times berichtet zudem, die Unterstützung der EU für ein neues Sanktionspaket bröckle, weil einzelne Hauptstädte Maßnahmen gegen große Konzerne ablehnen.

Le MondetazMeduzaPolitikaFinancial Times

Putin empfängt Nordkoreas Außenministerin und dankt für Kriegsunterstützung

Nordkorea und ChinaRussland

Kremlchef Putin hat die nordkoreanische Außenministerin in Moskau empfangen und Pjöngjang ausdrücklich für seine Unterstützung im Ukraine-Krieg gedankt. Das Treffen folgt auf den Besuch eines hochrangigen chinesischen Vertreters in Nordkorea. Beobachter sehen darin ein Zeichen für die enger werdende Achse Moskau-Pjöngjang-Peking.+ mehr Blickwinkel

Bei Gesprächen im Kreml dankte Wladimir Putin Nordkorea für die Hilfe im Krieg gegen die Ukraine, wie die staatliche chinesische Xinhua und die US-Agentur Bloomberg übereinstimmend berichten. Bloomberg ordnet das Treffen als Teil einer sich vertiefenden Zusammenarbeit ein, die kurz zuvor durch den Besuch von Chinas Nummer vier in Pjöngjang flankiert wurde. Pjöngjang hat Russland nach westlichen Angaben Soldaten und Munition geliefert, was den Krieg für Moskau tragbarer macht. Westliche Beobachter werten dies als bedrohliche Blockbildung autoritärer Staaten; die staatsnahe chinesische Darstellung betont dagegen den Charakter normaler diplomatischer Beziehungen. Le Monde verweist im selben Zusammenhang darauf, dass ein türkischer Getreidefrachter im Schwarzen Meer von russischen Raketen getroffen wurde und fünf Menschen starben. Die Quellenlage zu konkreten Vereinbarungen des Treffens ist dünn und stützt sich vor allem auf offizielle Mitteilungen.

BloombergLe MondeXinhua

Nach Spahns Rücktritt: Union sucht Fraktionschef, Merz erwägt Kabinettsumbau

Spahns Rücktritt

Einen Tag nach dem Rücktritt von Jens Spahn als Unionsfraktionschef berät die CDU/CSU-Spitze über die Nachfolge; Kanzler Merz schließt einen Kabinettsumbau nicht aus. Spahn war über die Debatte um Leihmutterschaft gestürzt. Bis zu einer Entscheidung übernehmen die Fraktionsvize Bilger und Hoffmann.+ mehr Blickwinkel

Die Unionsfraktion sucht nach dem überraschenden Rücktritt ihres Vorsitzenden Jens Spahn einen Nachfolger; am Montag berieten Präsidium und Fraktionsvorstand in Berlin. Konservative Stimmen wie die Welt und der CDU-Abgeordnete Mattfeldt (Cicero) dringen auf eine rasche Entscheidung, um Schaden von der Partei abzuwenden, und sehen im Zeitpunkt eine Gelegenheit für eine Kabinettsumbildung. Kanzler Friedrich Merz wies im ZDF-Sommerinterview Spekulationen über einen Umbau nicht zurück (‚Es könnte eine Gelegenheit sein‘). Linke und liberale Medien wie taz und Zeit deuten den Sturz als Ende eines Machtmenschen und werten den Rücktritt teils als Chance für Merz, sich von ‚handwerklichen Schwächen‘ zu befreien. Auslöser war die Empörung über die Leihmutterschafts-Debatte, in der die frühere Ministerin Renate Künast mit der Behauptung auffiel, Spahn und andere wollten über Leihmütter eine ‚eigene Elite‘ schaffen; die taz kritisiert Leihmutterschaft grundsätzlich als Ausbeutung. Als mögliche Nachfolger kursieren laut Spiegel mehrere Namen. Die Berliner Zeitung wirft Merz vor, in der Krise lieber über äußere Widrigkeiten als über verlorenes Vertrauen zu reden.

Die WeltDie ZeittazSüddeutsche ZeitungHandelsblatt

Andy Burnham wird britischer Premierminister

Großbritannien

Der bisherige Bürgermeister von Greater Manchester, Andy Burnham, wird an diesem Montag zum neuen britischen Premierminister ernannt. Der Labour-Politiker gilt als linker Populist, der die ‚imperiale‘ Rolle des Schatzamts zurückdrängen und ein gestärktes Kontrollzentrum in der Downing Street aufbauen will.+ mehr Blickwinkel

Nach seiner Wahl zum Labour-Chef übernimmt Andy Burnham, jahrelang Bürgermeister von Greater Manchester und als ‚König des Nordens‘ bekannt, das Amt des Premierministers. Al Jazeera und der Deutschlandfunk schildern nüchtern den formalen Ablauf der Amtsübergabe an diesem Montag. Die Financial Times berichtet, Burnham wolle ein schlagkräftigeres Kontrollzentrum in der Downing Street schaffen und sich weniger vom ‚imperialen‘ Schatzamt abhängig machen, um das Vertrauen in die Regierung wiederherzustellen. Das liberale Politico zieht Parallelen zu Donald Trump: Burnham liebe soziale Medien, verachte ‚snobistische Eliten‘ und wolle für die Abgehängten sprechen. Kritiker fragen, ob dieser Stil ausreicht, um eine schwächelnde Labour-Regierung und eine angespannte Wirtschaftslage zu stabilisieren. Zu seinen ersten Ankündigungen zählt der Stopp des umstrittenen digitalen Ausweisprojekts.

Politico EuropeAl JazeeraFinancial TimesDeutschlandfunk

Ungarn: Magyar will Schachlegende Judit Polgár als Präsidentin

Ungarn-Machtkampf

Ungarns Ministerpräsident Peter Magyar will die frühere Weltklasse-Schachspielerin Judit Polgár als neue Staatspräsidentin nominieren. Sie soll das Amt bis zur Verabschiedung einer neuen Verfassung übernehmen, nachdem der bisherige Präsident Sulyok abgewählt wurde. Das Parlament muss noch zustimmen.+ mehr Blickwinkel

Nach der Abwahl von Präsident Tamas Sulyok schlägt Regierungschef Peter Magyar die einstige weltbeste Schachspielerin Judit Polgár für das höchste Staatsamt vor; laut der serbischen B92 soll sie die Aufgabe kommissarisch bis zur Annahme einer neuen Verfassung übernehmen. Konservative und liberale deutsche Medien wie FAZ und Zeit heben Polgárs Prominenz und Unabhängigkeit hervor und deuten die Personalie als symbolträchtigen Schritt des neuen Machthabers. Der Vorgang ist Teil des Umbaus, mit dem Magyars Tisza-Lager nach dem Ende der Fidesz-Ära die Institutionen neu besetzt. Beobachter sehen darin einerseits einen geordneten Elitenwechsel, andererseits bleibt juristischer und rhetorischer Widerstand aus dem Umfeld von Fidesz ein Risiko. Die Nominierung muss noch vom Parlament bestätigt werden. Die Quellenlage stützt sich bislang vor allem auf Magyars eigene Ankündigung.

FAZDie ZeitDeutschlandfunkB92

Netanjahu attackiert New Yorks Bürgermeister Mamdani nach Festnahme-Drohung

NahostUSA

Nachdem New Yorks Bürgermeister Zohran Mamdani erklärt hatte, eine mögliche Festnahme Benjamin Netanjahus bei einem Besuch prüfen zu lassen, konterte der israelische Regierungschef scharf. Mamdani hatte Netanjahu zuvor als ‚Kriegsverbrecher‘ bezeichnet, der ‚nach Den Haag gehört‘.+ mehr Blickwinkel

Der Streit zwischen dem israelischen Ministerpräsidenten und dem New Yorker Bürgermeister eskalierte, nachdem Mamdani angekündigt hatte, im Fall eines Besuchs eine Festnahme Netanjahus prüfen zu lassen. Konservative Medien wie FAZ und Welt geben vor allem Netanjahus Sicht wieder: Sein Büro warf Mamdani vor, mit dem Vorstoß von ‚eigenen Fehltritten‘ ablenken zu wollen, und bezeichnete den Internationalen Strafgerichtshof als ‚Scheingericht‘ ohne Zuständigkeit für Amerikaner oder Israelis. Mamdani wiederum nannte Netanjahu einen ‚Kriegsverbrecher‘, der ‚nach Den Haag gehört‘. Die linksliberale New York Times ordnet den Schlagabtausch in ein längeres Gespräch mit dem Bürgermeister ein, der darin auch über Andy Burnham spricht. Die serbische B92 referiert nüchtern die israelische Empörung. Hintergrund ist der ICC-Haftbefehl gegen Netanjahu wegen des Vorgehens in Gaza, dessen Reichweite und Legitimität zwischen den Lagern heftig umstritten sind.

FAZDie WeltNew York TimesB92

Tausende Israelis marschieren zur Gaza-Grenze und fordern neue Siedlungen

Israels SiedlungspolitikNahost

Tausende Israelis, darunter Siedler und rechte Aktivisten, zogen zur Grenze des Gazastreifens und forderten die Wiedererrichtung jüdischer Siedlungen in dem Gebiet. Zeitgleich berichten israelische Medien von tödlicher Siedlergewalt im Westjordanland. Die Angaben zur Teilnehmerzahl gehen weit auseinander.+ mehr Blickwinkel

Die Siedlerorganisation Nachala rief zu einem ‚Marsch der Tausenden‘ an die Gaza-Grenze auf, um die Regierung zur Rückkehr jüdischer Siedlungen mehr als zwei Jahrzehnte nach dem Abzug von 2005 zu drängen; nach Le Monde beteiligten sich auch rechte Minister. Die Angaben zur Größe schwanken stark: Die Organisatoren sprachen von über 10.000 Teilnehmern, israelische Medien von nur einigen Hundert. Parallel meldet die linksliberale israelische Haaretz tödliche Zwischenfälle im Westjordanland: Bei einem Siedler-Übergriff wurden nach Armeeangaben zwei Palästinenser durch Schüsse getötet, und ein Leitartikel fordert die Armee auf, das Töten von Kindern zu stoppen. Die staatsnahe türkische Daily Sabah rückt den Tod eines 17-jährigen palästinensischen Fußballers nach einem Siedler-Angriff in den Vordergrund. Menschenrechtsgruppen und ein UN-Bericht werten den beschleunigten Siedlungsausbau als Strategie der Verdrängung, während die israelische Rechte ihn als Sicherheits- und Rückkehranliegen darstellt. Kritiker in Israel selbst warnen laut Haaretz vor einem drohenden Zusammenstoß im Westjordanland.

Le MondeHaaretzDaily Sabah

Taiwan meldet mehr chinesische Schiffe, Sorge um pazifische Lieferwege

Südchinesisches MeerTaiwan

Taiwan verzeichnet einen sprunghaften Anstieg chinesischer Schiffsaktivität und warnt vor Risiken für pazifische Lieferwege. Zugleich beklagen westliche Berichte eine Kampagne Pekings, Taiwan wirtschaftlich und gesellschaftlich zu ‚ersticken‘. US-Außenminister Rubio bekräftigte dennoch, Xi Jinpings geplanter US-Besuch stehe.+ mehr Blickwinkel

Taiwans Behörden melden laut Reuters einen deutlichen Anstieg chinesischer Schiffsbewegungen nahe der Insel, was Befürchtungen um die Sicherheit pazifischer Versorgungsrouten schürt. Das konservative Wall Street Journal beschreibt eine breit angelegte Kampagne Pekings, Taiwan zu ‚ersticken‘, die bis zu Kinderchören und Cafébetreibern reiche. Beide Darstellungen fügen sich in Taipehs Warnung vor einer eskalierenden ‚Grauzonen‘-Nötigung unterhalb der Kriegsschwelle. Peking betrachtet Taiwan als Teil der Volksrepublik und wertet solche Fahrten als Routine, während westliche Beobachter darin eine gezielte Zermürbung sehen. Trotz der Spannungen erklärte US-Außenminister Marco Rubio laut Bloomberg, der geplante Besuch von Präsident Xi in den USA bleibe auf Kurs, auch nachdem Washington China Einmischung in die Wahlen vorgeworfen hatte. Die Lage zeigt das Nebeneinander von wirtschaftlicher Annäherung auf höchster Ebene und wachsendem Druck im Alltag.

ReutersWall Street JournalBloomberg

Wirtschaft

Ölpreis über 90 Dollar: Iran-Krieg belastet Währungen und Börsen

Hormus-Iran-KriseÖlmarkt

Der Ölpreis überstieg wegen des sich ausweitenden US-Iran-Konflikts die Marke von 90 Dollar je Barrel. Asiatische Währungen und Aktien gerieten unter Druck, während Gold nachgab und Wetten auf weiter hohe US-Zinsen zunahmen. Auch Agrarrohstoffe legten zu.+ mehr Blickwinkel

Mit der Eskalation im US-Iran-Krieg kletterte die globale Ölsorte Brent laut New York Times um mehr als drei Prozent über 90 Dollar. Das konservative Wall Street Journal und Reuters berichten, der Preissprung dürfte asiatische Währungen belasten und Aktien in der Region zögern lassen, während vor wichtigen Quartalszahlen Zurückhaltung herrscht. Gold gab nach, weil sich die Erwartung höherer US-Zinsen (‚higher for longer‘) verstärkte und einzelne Stimmen sogar Zinserhöhungen ins Spiel brachten. Bloomberg verweist auf Rekord-Leerverkäufe gegen den neuseeländischen Dollar, mit denen Hedgefonds auf wirtschaftlichen Druck durch den Ölpreis setzen. Zugleich stiegen laut Bloomberg die Preise für Sojabohnen und Mais, da teureres Öl Biokraftstoffe attraktiver macht. Die Lager sind sich in der Diagnose einig: Der Krieg wirkt als Inflations- und Unsicherheitsfaktor; strittig bleibt, wie dauerhaft der Preisschub ist. Analysten verweisen darauf, dass rund zwei Drittel des Verkehrs durch die Straße von Hormus weiterlaufen.

New York TimesBloombergWall Street JournalReuters

Studie: Elektroautos seit 2020 deutlich billiger, Verbrenner leicht teurer

Chinas E-Auto-OffensiveEuropas Wirtschaft

Eine Studie von Fraunhofer-Institut und ICCT zeigt, dass die inflationsbereinigten Listenpreise für Elektroautos seit 2020 deutlich gesunken sind, während Verbrenner leicht teurer wurden. Setzt sich der Trend fort, könnten E-Autos in Europa bis 2030 so viel kosten wie vergleichbare Verbrenner.+ mehr Blickwinkel

Nach einer gemeinsamen Untersuchung des Fraunhofer-Instituts und des ICCT haben sich die inflationsbereinigten Listenpreise von Elektroautos seit 2020 deutlich nach unten verschoben, während Verbrenner leicht teurer wurden. Die Autoren erwarten, dass sich diese Entwicklung fortsetzt; die konservative Welt und das wirtschaftsnahe Handelsblatt heben hervor, dass E-Autos in Europa bei anhaltendem Trend bis 2030 preislich mit Verbrennern gleichziehen könnten. Die linksliberale Süddeutsche Zeitung betont denselben Befund einer ‚klaren Verschiebung‘. Die Lager berichten die Studie weitgehend übereinstimmend, unterscheiden sich aber in der Deutung: Für die einen belegt sie den Erfolg der Elektromobilität, für andere den wachsenden Preisdruck durch chinesische Hersteller. Offen bleibt, wie stark sinkende Batteriekosten und der Wettbewerb aus China die Preise weiter drücken. Die Studie bezieht sich auf Listenpreise, nicht auf tatsächlich gezahlte Preise inklusive Rabatten und Prämien.

Die WeltSüddeutsche ZeitungHandelsblatt

Verdienste in Deutschland 2025 um 5,1 Prozent gestiegen

Deutschlands SteuerpolitikEuropas Wirtschaft

Die mittleren Bruttoverdienste in Deutschland sind 2025 laut Bundesagentur für Arbeit um 5,1 Prozent und damit stärker als die Inflation gestiegen. Der Median legte um mehr als 200 Euro zu, der Abstand zwischen den Geschlechtern schrumpfte leicht. Es bleiben deutliche regionale Unterschiede.+ mehr Blickwinkel

Nach Daten der Bundesagentur für Arbeit stiegen die mittleren Bruttoentgelte 2025 kräftig; die konservative Welt beziffert das Plus auf 5,1 Prozent und mehr als 200 Euro beim Median. Höhere Tarifabschlüsse trieben die Einkommen laut Süddeutscher Zeitung real nach oben, also stärker als die Inflation. Die liberale Zeit und die SZ betonen zugleich fortbestehende Unterschiede: Frauen verdienen weiterhin weniger als Männer, wenngleich die Lücke leicht schrumpfte, und zwischen den Bundesländern klafft ein deutliches Gefälle. Die Lager berichten die Zahlen übereinstimmend, setzen aber verschiedene Akzente: Wirtschaftsnahe Stimmen verweisen auf gestiegene Lohnkosten, während sozialpolitisch orientierte Medien die Reallohngewinne der Beschäftigten hervorheben. Der Befund fällt in eine Debatte, in der die SPD Vermögens- und Erbschaftssteuern zum Thema macht und Kanzler Merz mehr Arbeitsstunden anmahnt. Offen bleibt, ob die Reallohngewinne bei nachlassender Konjunktur Bestand haben.

Die WeltDie ZeitSüddeutsche Zeitung

Europas Aufrüstung: Rohstoff-Abhängigkeit und Streit ums Kampfjet-Erbe

Europas VerteidigungEuropas Wirtschaft

Europa investiert Milliarden in die Verteidigung, doch kritische Rohstoffe kommen weiter überwiegend aus China. Zugleich streiten Deutschland, Frankreich und beteiligte Firmen über das Erbe des gescheiterten gemeinsamen Kampfjets. Die Bundeswehr will ihre Heimatschutzdivision massiv ausbauen.+ mehr Blickwinkel

Europa steckt nach der russischen Bedrohung Milliarden in die Verteidigung, doch die Süddeutsche Zeitung warnt, das Vorhaben könne an fehlenden kritischen Rohstoffen scheitern, die noch immer zum größten Teil aus China stammen; die Industrie stecke in einem ‚Gefangenendilemma‘. Parallel schildert die SZ den Streit um das Erbe des gescheiterten deutsch-französischen Kampfjets: Nachdem beide Länder und beteiligte Firmen 3,2 Milliarden Euro investiert hatten, rangeln die Partner nun um die Verwertung und suchen neue Verbündete. Die liberale Zeit berichtet zudem, die Bundeswehr wolle ihre für den Schutz von Flughäfen und Energieanlagen zuständige Heimatschutzdivision in zehn Jahren verdoppeln. Die Berichte teilen die Diagnose einer sicherheitspolitischen Zeitenwende, betonen aber die Lücke zwischen ambitionierten Zielen und industrieller Realität. Strittig ist, ob Europa seine Abhängigkeiten von China rasch genug verringern kann. Die Quellenlage bündelt hier vor allem deutsche Perspektiven auf ein gemeinsames Strukturproblem.

Süddeutsche ZeitungDie Zeit

Chinas Luxussteuer und Preisdruck setzen deutsche Autobauer zu

Chinas WirtschaftVW-Krise

Eine vor gut einem Jahr geänderte chinesische Luxussteuer trifft die deutschen Premiumhersteller Mercedes, BMW, Porsche und Audi hart. Ein China-Experte warnt, Peking setze die deutsche Wirtschaft immer stärker unter Druck, und hält vor allem den Kurs von Volkswagen für riskant.+ mehr Blickwinkel

Für die deutschen Premium-Autobauer läuft es in China seit längerem schlecht, und die vor gut einem Jahr geänderte Luxussteuer verschärft die Lage; die FAZ analysiert die Folgen für Mercedes, BMW, Porsche und Audi. Die konservative Welt zitiert den China-Experten Mikko Huotari, wonach Peking die deutsche Wirtschaft zunehmend unter Druck setzt; er skizziert vier Elemente einer Gegenstrategie, mahnt zur Eile und hält den Kurs von Volkswagen für besonders riskant für den Standort Deutschland. Beide Blätter teilen die Diagnose, dass das jahrzehntelange China-Geschäft der deutschen Hersteller unter Druck gerät, gespeist aus Steuerpolitik, heimischer Konkurrenz und geopolitischen Spannungen. Strittig ist die richtige Antwort: mehr Lokalisierung in China oder eine Verringerung der Abhängigkeit. Die Quellenlage stützt sich hier vor allem auf deutsche Wirtschaftsperspektiven. Der Fall steht exemplarisch für die schwierige Neuvermessung der deutsch-chinesischen Wirtschaftsbeziehungen.

FAZDie Welt

Technologie

Chinas KI-Offensive: Börsengänge, Roboter und ausgelastete Rechenzentren

Chinas WirtschaftHumanoide RoboterKI-Boom

China treibt seine KI-Industrie mit Börsenplänen und Robotik voran: Der Modellanbieter Moonshot strebt einen baldigen Börsengang an, und auf der Weltkonferenz für KI zeigt das Land über 400 humanoide Roboter. Zugleich musste Moonshot nach einem Nachfrageansturm neue Abos für sein Modell Kimi K3 stoppen.+ mehr Blickwinkel

Chinas KI-Branche zeigt sich in Aufbruchstimmung: Nach der taiwanischen Taipei Times plant der Modellanbieter Moonshot einen Börsengang binnen sechs Monaten, und die US-Agentur Bloomberg berichtet, das Start-up des KI-Pioniers Kai-Fu Lee ziele auf einen Börsengang in Hongkong. Die staatsnahe Global Times feiert, China führe mit über 400 kompletten humanoiden Robotern die weltweite Entwicklung an, und hebt die Produktschau auf der Weltkonferenz für KI 2026 hervor. Zugleich musste Moonshot laut Global Times nach einem Ansturm neue Abonnements für sein Modell Kimi K3 aussetzen, weil die Rechenkapazität überlastet war. Westliche Beobachter deuten die Offensive als Beleg für Chinas Stärke bei angewandter KI und Robotik, während die USA bei den teuersten Spitzenmodellen vorn blieben. Die staatliche Darstellung betont Chinas Führungsanspruch und internationale Kooperation, westliche Quellen eher den Wettlauf und die Kommerzialisierung. Strittig bleibt, wie nachhaltig der Boom angesichts von Kapazitäts- und Finanzierungsfragen ist.

Taipei TimesGlobal TimesBloomberg

KI-Skepsis an den Börsen: Anleger suchen neue Favoriten, Chip-Sorgen wachsen

Chip-ExportkontrollenKI-Boom

An den Börsen wächst die Skepsis gegenüber dem KI-Boom: Kleinanleger wenden sich laut Wall Street Journal von den ‚Magnificent Seven‘ ab und setzen auf neue KI-Werte. In China lösten Anleger ihre gehebelten Wetten so schnell auf wie seit 2016 nicht mehr, und im Speicherchip-Markt geht die Angst vor einem neuen Boom-und-Bust-Zyklus um.+ mehr Blickwinkel

Die Stimmung an den Aktienmärkten gegenüber dem KI-Boom wird vorsichtiger: Das konservative Wall Street Journal beschreibt, wie Kleinanleger die großen Tech-Konzerne (‚Magnificent Seven‘) meiden und sich neuen KI-Favoriten sowie schlanken, ‚KI-nativen‘ Firmen mit wenig Personal zuwenden. Bloomberg meldet, chinesische Anleger hätten gehebelte Positionen so schnell abgebaut wie seit dem Crash von 2015/2016 nicht mehr, aus Furcht, die KI-getriebene Rally sei überdehnt; das löste einen weltweiten Ausverkauf aus. Die Financial Times warnt, die massiven Investitionen in Speicherchips könnten einen neuen Boom-und-Bust-Zyklus in der ohnehin zyklischen Branche auslösen. Die Lager sind sich einig, dass die KI-Nachfrage grundsätzlich robust ist, streiten aber über die Bewertungen: Optimisten sehen eine gesunde Konsolidierung, Pessimisten eine drohende Blase. Ob es bei einzelnen Korrekturen bleibt oder ein breiter Absturz folgt, ist offen. Anleger warten gespannt auf die anstehenden Quartalszahlen der großen Chip- und Tech-Konzerne.

Wall Street JournalBloombergFinancial Times