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Die Lage · Ausgabe 18

Samstag, 18. Juli 2026

Der Krieg zwischen den USA und dem Iran bestimmt den siebten Tag in Folge die Weltlage: Amerikanische Streitkräfte griffen erneut Ziele im Süden Irans an, Teheran flog Vergeltung auf US-nahe Ziele in Kuwait, Jordanien und Bahrain und drohte, in eine Offensivphase überzugehen. An der Straße von Hormus gerieten zwei Tanker in Brand, was die Sorge vor einem Energiepreisschock verschärft. Im benachbarten Gaza tötete ein israelischer Angriff auf eine Trauerfeier mindestens sieben Menschen, während in der EU der Druck wächst, Israel wegen seiner Siedlungspolitik zu sanktionieren.

In der übrigen Geopolitik überlagern mehrere Umbrüche das Bild. In Venezuela stieg die Zahl der Erdbebentoten drei Wochen nach der Katastrophe auf über 5.000, der IWF gab Wiederaufbauhilfen frei. In der Ukraine protestierten die Menschen den zweiten Tag gegen die Ablösung des Verteidigungsministers durch einen General. In Großbritannien übernimmt Andy Burnham die Labour-Partei und das Amt des Premierministers, als siebter Regierungschef binnen eines Jahrzehnts. Deutschland und Frankreich rückten bei Verteidigung und nuklearer Abschreckung enger zusammen, und Trump drohte Kanada wegen des Waldbrandrauchs mit Zöllen.

Die Wirtschaft steht im Zeichen eines Stimmungsumschwungs an den Börsen: Halbleiteraktien rutschten in einen Bärenmarkt, Taiwans Leitindex verlor fast 3.000 Punkte, und eine Netflix-Wachstumswarnung verstärkte die Zweifel an den Bewertungen des KI-Booms. In Brüssel lockerte die EU-Kommission den Emissionshandel zugunsten der Industrie und entfachte einen Klimastreit. In Deutschland kündigte die SPD an, höhere Vermögens- und Erbschaftssteuern zum Schlüsselthema zu machen, während Trumps Medienunternehmen Händlern gegen Gebühr einen Zeitvorsprung bei marktbewegenden Trump-Posts verkaufen will.

In der Technologie verschärft sich das Ringen zwischen den USA und China: Auf der Weltkonferenz in Shanghai warb Xi Jinping für eine globale KI-Kooperation unter chinesischer Führung, während Peking westliche Vorwürfe zurückwies, chinesische Firmen zapften unerlaubt amerikanische Modelle an. Zugleich treibt der Hunger nach Rechenkapazität neue Milliarden-Deals um Rechenzentren, an denen auch SpaceX und das Pentagon beteiligt sein sollen. Frankreich und Deutschland wollen zudem eine europäische Alternative zum US-Anbieter Palantir aufbauen, um Abhängigkeiten bei sicherheitsrelevanter Software zu verringern.

Europas WirtschaftKI-BoomNahostUSAEuropas VerteidigungHormus-Iran-Krise

Top-Thema des Tages

Geopolitik
Symbolbild

Siebte Kriegsnacht: USA greifen Irans Süden an, Teheran droht mit „Offensivphase“

Hormus-Iran-KriseNahostÖlmarkt

Zum siebten Mal in Folge hat das US-Militär in der Nacht Ziele im Iran angegriffen, darunter Brücken, Bahnstrecken und unterirdische Waffenlager im Süden des Landes. Teheran flog Vergeltung auf US-nahe Ziele in Kuwait, Jordanien und Bahrain, wo Raketen abgefangen wurden, und meldete Explosionen nahe der Straße von Hormus. Ein Berater der iranischen Führung drohte, das Land werde von der Vergeltung in eine Offensivphase übergehen.+ mehr Blickwinkel

Das US-Zentralkommando erklärte, es setze die Angriffe fort, um Irans Streitkräfte zu schwächen; iranische Staatsmedien zeigten Schäden an Brücken, Bahnstrecken und weiterer Infrastruktur. Nahe der Straße von Hormus gerieten zwei Öltanker nach Explosionen in Brand, was die Angst vor einem Energiepreisschock verschärft. Über das Ausmaß gehen die Darstellungen weit auseinander: Le Monde berichtet unter Berufung auf Teheran von drei Toten bei Angriffen im Süden, Jordanien meldete den Abschuss von zehn Raketen, und die serbische Politika schreibt von mehreren verwundeten US-Soldaten sowie einem angeblich über Buschehr abgeschossenen US-Drohne. Al Jazeera und die Golf-Perspektive betonen die iranischen Vergeltungsschläge auf Kuwait und Bahrain, während die New York Times die regionale Ausweitung des Krieges hervorhebt. Aus Israel meldet die Presse, die USA verlegten Tankflugzeuge in die Region. Belastbare Opferzahlen fehlen weiterhin, und beide Seiten stellen den Verlauf jeweils als eigenen Erfolg dar.

Al JazeeraNew York TimesLe MondePolitikaBBC News

Geopolitik

Israelischer Angriff auf Trauerfeier in Gaza tötet mindestens sieben, EU erhöht Siedlungsdruck

Israels SiedlungspolitikNahost

Ein israelischer Luftangriff auf eine Trauerfeier im Gazastreifen tötete nach palästinensischen Angaben mindestens sieben Menschen und verletzte 22. Die israelische Armee erklärte, sie habe eine Zelle des Islamischen Dschihad getroffen, und räumte ein, möglicherweise seien auch Unbeteiligte zu Schaden gekommen. Zugleich wächst in der EU der Druck, Israel wegen der Ausweitung der Siedlungen zu sanktionieren.+ mehr Blickwinkel

Der Angriff traf laut Berichten die Trauerfeier für einen zuvor getöteten Palästinenser. Die Hamas nannte ihn ein „brutales Massaker“ an Trauernden, während die israelische Armee erklärte, sie habe gezielt eine Zelle des Palästinensischen Islamischen Dschihad angegriffen und sei sich der Berichte über unbeteiligte Opfer bewusst. Bereits bei der Zahl der Toten gehen die Angaben auseinander, sieben nach palästinensischen, acht nach anderen Quellen. Parallel verschärft sich der Streit um das Westjordanland: Al Jazeera berichtet von wachsendem EU-Druck für Sanktionen, während Siedler Kinder angriffen, und die israelische Haaretz dokumentiert, wie Siedler unter dem Schutz der Armee palästinensisches Vieh wegtrieben. Irland beschloss nach langem Ringen ein Einfuhrverbot für Waren aus besetzten Gebieten, nahm Dienstleistungen aber aus, was selbst unter Kritikern zu Streit führt. Israelische, palästinensische und europäische Darstellungen des Vorgehens stehen damit unversöhnlich nebeneinander.

New York TimesLe MondeAl Jazeerataz

Zweiter Protesttag in der Ukraine, Selenskyj macht General Chmara zum Verteidigungsminister

RusslandUkraine-Krieg

In mehreren ukrainischen Städten protestierten die Menschen den zweiten Tag in Folge gegen die Ablösung von Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow. Präsident Selenskyj ernannte den General Jewhen Chmara zum kommissarischen Minister, was Kritiker als Verstoß gegen ukrainisches Recht werten. Auch aus der Armee kommt deutlicher Unmut über die Entlassung.+ mehr Blickwinkel

Nach der überraschenden Ablösung Fedorows, der als Architekt der erfolgreichen ukrainischen Drohnenstrategie gilt, gingen von Lwiw bis Charkiw erneut Menschen auf die Straße und forderten seine Rückkehr. Das oppositionelle russische Exilmedium Meduza und Reuters berichten übereinstimmend von Protesten über zwei Tage, die BBC betont den Zorn vieler Soldaten über die Personalie. Le Figaro zeichnet nach, dass der zum Interimsminister ernannte General Chmara nach ukrainischem Recht das Amt eigentlich nicht bekleiden dürfte. Zugleich baute Selenskyj auch den Geheimdienst SBU um und setzte dort einen neuen kommissarischen Chef ein. Kritiker sehen in dem Umbau eine Festigung der präsidialen Kontrolle mitten im Krieg, Unterstützer verweisen auf die Notwendigkeit einer strafferen Beschaffung. Wie sich der Wechsel auf die Kriegführung auswirkt, ist offen.

DeutschlandfunkBBC NewsMeduzaLe FigaroB92

Trump droht Kanada wegen des Waldbrandrauchs mit Zöllen

Kanadas WaldbrändeUSAUSA-Handelskonflikt

Präsident Trump hat Kanada mit Zöllen gedroht, weil Rauch von dortigen Waldbränden weite Teile des US-Nordostens verschmutzt. Er sprach von „vorsätzlicher Fahrlässigkeit“, Republikaner brachten sogar Sanktionen ins Spiel. Kanadas Premier Carney erklärte, beide Länder trügen gleichermaßen Verantwortung im Kampf gegen den Klimawandel.+ mehr Blickwinkel

Der Rauch kanadischer Waldbrände zog erneut über den Nordosten der USA und verschlechterte die Luftqualität bis in die Region New York, wo an diesem Sonntag das WM-Finale stattfindet. Die konservative Welt zitiert Trump mit dem Vorwurf der „vorsätzlichen Fahrlässigkeit“ und der Klage, der Rauch werde zu einem jährlichen Ereignis. Die FT beschreibt, wie Trump die Lage als „Invasion“ verschmutzter Luft rahmt und Carney anrufen wollte, der Guardian berichtet, dass Republikaner Sanktionen gegen kanadische Regierungsvertreter androhen. BBC und Le Monde ordnen ein, dass Fachleute den Klimawandel als Ursache der sich verschärfenden Brände sehen, und verweisen darauf, dass die Trump-Regierung zugleich mehrere Klimaschutzregeln zurücknahm. Damit prallen die Deutung als kanadisches Versäumnis und die als Folge der Erderwärmung frontal aufeinander.

Die WeltBBC NewsThe GuardianFinancial TimesLe Monde

Erdbeben in Venezuela: Zahl der Toten steigt auf über 5.000, IWF gibt 346 Millionen Dollar frei

Erdbeben in VenezuelaKatastrophenschutz

Drei Wochen nach den schweren Erdbeben in Venezuela ist die Zahl der Todesopfer auf mehr als 5.000 gestiegen, bei über 16.700 Verletzten. Zehntausende Menschen sind in Notlagern untergebracht, in einigen Orten gehen die Vorräte zur Neige. Der IWF stellte 346 Millionen Dollar für den Wiederaufbau bereit.+ mehr Blickwinkel

Die beiden Beben von Ende Juni gehören zu den schwersten in der Geschichte des Landes; die Folgen sind nach Angaben der Behörden verheerend, mit zahllosen zerstörten Gebäuden. Die serbische B92 nennt unter Berufung auf venezolanische Stellen 5.069 Tote und mehr als 20.000 Menschen in provisorischen Lagern, FAZ und Deutschlandfunk bestätigen die Marke von über 5.000 Toten und 16.700 Verletzten. Die AFP schildert aus einem Dorf am Rand der Bebenzone, wie die Vorräte ausgehen. Die Übergangspräsidentin Delcy Rodríguez erklärte, die IWF-Mittel sollten betroffene Familien bei Wohnraum, Infrastruktur und öffentlichen Diensten unterstützen. Da sich die Berichterstattung stark auf staatliche venezolanische Angaben stützt und unabhängige Überprüfung schwierig ist, sind die genauen Zahlen mit Vorsicht zu behandeln.

Le MondeFAZB92Deutschlandfunk

Serbien und die USA eröffnen strategischen Dialog und unterzeichnen zwei Memoranden

Serbien und die USAWestbalkan

In Washington haben Serbien und die USA einen „strategischen Dialog“ eröffnet und zwei Memoranden unterzeichnet, was Belgrad als historischen Schritt feiert. Außenminister Marko Đurić sprach von einer strategischen Partnerschaft. Beobachter fragen, ob Serbien damit seine jahrelange Politik des Balancierens zwischen Ost und West verlässt.+ mehr Blickwinkel

Die serbische Regierung inszeniert den Auftakt des Dialogs als Beginn eines neuen Kapitels: Đurić gratulierte den Bürgern zur „strategischen Partnerschaft“ mit den USA, und die kosovarische Koha bestätigt nüchtern die Unterzeichnung zweier Memoranden. Das unabhängige serbische Portal N1 fragt dagegen, ob Belgrad damit tatsächlich mit seiner Politik der „vier Säulen“ zwischen Washington, Moskau, Peking und Brüssel bricht. Der Analyst Kostić argumentiert bei N1, Serbien werde weiter balancieren, um Russland nicht zu verärgern, vor allem solange der Streit um den mehrheitlich russisch kontrollierten und US-sanktionierten Ölkonzern NIS ungelöst sei. So stehen die staatsnahe serbische Erfolgsdarstellung, die skeptische unabhängige Sicht und die kosovarisch-albanische Beobachtung nebeneinander. Wie weit die Annäherung trägt, hängt an handfesten Fragen wie Energie, Investitionen und Kosovo.

N1B92Koha

Andy Burnham wird Labour-Chef und künftiger britischer Premierminister

Großbritannien

Der Bürgermeister von Greater Manchester, Andy Burnham, wird an diesem Montag Labour-Chef und damit britischer Premierminister, als Nachfolger von Keir Starmer. Er wäre der siebte Regierungschef binnen eines Jahrzehnts. Als Schatzkanzlerin gilt Shabana Mahmood als vorgesehen.+ mehr Blickwinkel

Der Wechsel fällt in eine Zeit politischer Umbrüche und wirtschaftlicher Stagnation. Die New York Times betont, Burnham werde inmitten von Instabilität der siebte Premier in zehn Jahren, die FT berichtet über Starmers Abschied und die vorgesehene Ernennung Mahmoods zur Schatzkanzlerin. Von links mahnt der Grünen-Vorsitzende Polanski in Politico, Burnham dürfe nicht wie Starmer „auf dem Zaun sitzen“, nachdem dieser erklärt hatte, Labour werde nicht versuchen, „grüner als die Grünen“ zu sein. Der liberale Economist zieht eine gemischte Bilanz von Starmers zwei Jahren, mit Fortschritten, aber zu behäbig. Burnham gilt als Vertreter des linken Parteiflügels und steht sogleich unter Druck von Wirtschaftslage, erstarkender Rechter und den eigenen Reihen. Ob der Wechsel Stabilität bringt oder die Dauerkrise fortsetzt, ist offen.

New York TimesFinancial TimesPolitico EuropeThe Economist

Merz und Macron vereinbaren engere Verteidigung und gemeinsame Nuklearübungen

Europas VerteidigungEuropas Wirtschaft

Nach dem deutsch-französischen Ministerrat in Brühl kündigten Kanzler Merz und Präsident Macron eine engere militärische Zusammenarbeit an, darunter erstmals gemeinsame Übungen zur nuklearen Abschreckung und eine Steuerungsgruppe. Auch beim Umgang mit China wollen beide Länder enger abgestimmt vorgehen. Ein gemeinsames Kampfjet-Projekt kam dagegen nicht voran.+ mehr Blickwinkel

Beim Ministerrat auf Schloss Augustusburg verabredeten Berlin und Paris eine engere Kooperation bei der nuklearen Abschreckung mit gemeinsamen Übungen und einer Steuerungsgruppe, wie Deutschlandfunk und taz berichten; die taz hebt hervor, dass beide Länder auch beim Kurs gegenüber China zusammenarbeiten wollen. Politico ordnet das Treffen als Versuch ein, vor einer möglichen Präsidentschaft von Marine Le Pen rasch EU-Vorhaben voranzubringen, wobei beide Seiten die Dringlichkeit als wirtschaftliche Notwendigkeit rahmen. Der Spiegel weist darauf hin, dass aus dem gemeinsamen Kampfjet-Projekt zunächst nichts wurde und Macrons Tage an der Macht gezählt sind. Aus kosovarischer Sicht zitiert Telegrafi Merz mit der Zusage, die enge Abstimmung mit Paris werde auch nach einem Wechsel im Élysée fortgesetzt. So mischen sich Aufbruchssignale mit Zweifeln an der Umsetzbarkeit angesichts der politischen Unsicherheit in Frankreich.

DeutschlandfunktazPolitico EuropeDer SpiegelTelegrafi

Wirtschaft

Halbleiteraktien rutschen in den Bärenmarkt, weltweiter Tech-Ausverkauf

Chip-ExportkontrollenKI-Boom

Ein breiter Ausverkauf hat Technologiewerte rund um den Globus erfasst: US-Halbleiteraktien rutschten in einen technischen Bärenmarkt, Taiwans Leitindex TAIEX verlor fast 3.000 Punkte. Auch Netflix belastete nach einer Wachstumswarnung die Stimmung. Anleger zweifeln zunehmend an den hohen Bewertungen des KI-Booms.+ mehr Blickwinkel

Die chinesische Xinhua meldet, US-Börsen seien gefallen und Halbleiter in einen technischen Bärenmarkt gerutscht, das Wall Street Journal verweist zusätzlich auf den Kurssturz von Netflix nach einer Wachstumswarnung. In Asien verlor der taiwanische Leitindex TAIEX laut Taipei Times fast 3.000 Punkte inmitten des Tech-Ausverkaufs. Der Ausverkauf nährt Zweifel, ob die hohen Bewertungen des KI-Booms tragfähig sind, nachdem Chipwerte zuvor kräftig gestiegen waren. Zugleich verweist Taipei Times auf die geopolitische Dimension: Taiwan wolle trotz US-Drucks seine modernste TSMC-Technologie im Land halten. Damit trifft der Stimmungsumschwung an den Märkten auf den anhaltenden Streit um die Kontrolle über die Chipfertigung. Ob es sich um eine gesunde Korrektur oder den Beginn einer breiteren Neubewertung handelt, ist umstritten.

Wall Street JournalXinhuaTaipei Times

SPD macht Vermögens- und Erbschaftssteuer zum Schlüsselthema

Deutschlands Steuerpolitik

Nach der Sommerpause will die SPD den Streit mit der Union über höhere Steuern auf Vermögen und Erbschaften verschärfen. Generalsekretär Tim Klüssendorf erklärte die Wiedereinführung einer Vermögensteuer zum „Schlüsselthema“. Er begründet das damit, dass Gewinne bei immer weniger Menschen landeten.+ mehr Blickwinkel

Klüssendorf kündigte an, die SPD werde bei der Union für eine Rückkehr der Vermögensteuer und höhere Erbschaftssteuern kämpfen, und macht dafür eine über Jahrzehnte fehlgeleitete Steuerpolitik verantwortlich. Die liberale Zeit und die konservative Welt berichten übereinstimmend über den Vorstoß, bewerten ihn aber aus unterschiedlicher Warte: Während die SPD ihn als Frage der Verteilungsgerechtigkeit rahmt, wird er im konservativen Lager als Belastung für Standort und Leistungsträger gelesen. Der Streit fällt in eine unionsgeführte Koalition, in der die SPD Juniorpartner ist, was eine Umsetzung erschwert. Die Quellenlage ist an diesem Tag dünn und stützt sich vor allem auf den SPD-Vorstoß selbst. Ob daraus mehr wird als Wahlkampfrhetorik, bleibt abzuwarten.

Die ZeitDie Welt

EU lockert den Emissionshandel und entfacht einen Klimastreit

EU-EmissionshandelEuropas Wirtschaft

Die EU-Kommission will die Industrie beim CO2-Preis entlasten und rückt von strengen Klimazielen ab, weitet den Emissionshandel aber auf Luftfahrt und Abfall aus. Kritiker sprechen von „gefährlicher Augenwischerei“ und einem Aushöhlen des Klimaschutzes. Befürworter sehen einen pragmatischen Kompromiss, der den Emissionshandel in schwierigen Zeiten rettet.+ mehr Blickwinkel

Die Reform entlastet Unternehmen beim CO2-Preis und lässt ihnen mehr Zeit, senkt damit aber faktisch die Klimaziele. Die linke taz urteilt, das werde die Industrie nicht retten und ziehe die falschen Schlüsse, während die liberale Zeit befindet, die Kommission habe dem Druck der Industrie nachgegeben und den Emissionshandel zugleich gerettet, was in Zeiten von Trump bemerkenswert sei. Politico berichtet, die energieintensive Industrie sei unzufrieden und spreche von „gefährlicher Augenwischerei“, nur die DIHK sehe Positives. Das konservative Le Figaro hebt hervor, dass ein Null-Emissions-Ziel bis 2039 als unrealistisch gelte, Firmen länger emittieren dürften, der Emissionshandel aber auf Luftfahrt und Abfall ausgeweitet werde. So stehen sich der Vorwurf des Klimaverrats, die Klage der Industrie über zu wenig Entlastung und die Deutung als pragmatische Rettung gegenüber.

tazDie ZeitPolitico EuropeLe Figaro

Trump Media plant 100.000-Dollar-Gebühr für Vorabzugriff auf Trump-Posts

Trump MediaUSA

Trumps Medienunternehmen erwägt, für einen sekundenschnellen Zugriff auf die Truth-Social-Beiträge des Präsidenten eine Gebühr von bis zu 100.000 Dollar im Monat zu verlangen. Börsenhändler könnten sich so einen Zeitvorteil bei marktbewegenden Nachrichten erkaufen. Demokraten und Ethik-Experten kritisieren das Vorhaben scharf.+ mehr Blickwinkel

Nach Berichten der FT hat die Firma der Familie Trump für den Hochgeschwindigkeitszugang zu Truth Social eine sechsstellige Summe genannt, Bloomberg beschreibt, wie an der Wall Street bereits Werbe-E-Mails kursierten und Händler sich auf die Kosten einstellen. Die Süddeutsche Zeitung berichtet über die scharfe Kritik von Demokraten und Ethik-Experten, die einen bevorzugten Zugang zu kursbewegenden Präsidenten-Posts für hochproblematisch halten. Al Jazeera verweist darauf, dass Trump wiederholt vorgeworfen wurde, staatlichen Einfluss zu unlauterem finanziellem Vorteil zu nutzen. Verteidiger können darauf verweisen, dass börsenrelevante Informationen ohnehin über schnelle Datendienste gehandelt werden. Der Kern des Streits ist, ob hier öffentliche Amtsäußerungen kommerzialisiert und Interessenkonflikte institutionalisiert werden.

Financial TimesSüddeutsche ZeitungAl JazeeraBloomberg

Über 50 Millionen Euro E-Auto-Prämien in Deutschland, Tesla vorne

Europas WirtschaftTesla-Absatz

Seit dem Neustart der staatlichen Kaufprämie vor knapp zwei Monaten hat Deutschland bereits mehr als 50 Millionen Euro für Elektroautos ausgezahlt. Am meisten profitierte ausgerechnet der US-Hersteller Tesla. Die Förderung soll das schwächelnde Geschäft mit E-Autos wieder ankurbeln.+ mehr Blickwinkel

FAZ und Handelsblatt berichten übereinstimmend, dass seit dem Wiederanlauf der Förderung mehr als 50 Millionen Euro geflossen sind und Tesla bei den geförderten Marken vorn liegt. Das nährt die alte Debatte, ob staatliche Kaufprämien vor allem Mitnahmeeffekte erzeugen und ob es sinnvoll ist, mit deutschem Steuergeld den Absatz ausländischer Hersteller zu stützen. Befürworter verweisen auf den nötigen Anschub für die Elektromobilität und den zuletzt schwachen Markt, Kritiker auf die begrenzte Lenkungswirkung. Die Quellenlage ist an diesem Tag schmal und stützt sich auf zwei deutsche Wirtschaftsmedien mit ähnlichen Zahlen. Wie nachhaltig die Prämie den Absatz belebt, ist noch offen.

FAZHandelsblatt

Technologie

KI-Ringen USA gegen China: Weltkonferenz in Shanghai und Streit um Modell-Diebstahl

Chinas WirtschaftKI-BoomKI-Regulierung

Auf der Weltkonferenz für Künstliche Intelligenz in Shanghai präsentierte China Hunderte Neuheiten und warb, angeführt von Xi Jinping, für eine globale KI-Kooperation unter eigener Führung. Zugleich wies Peking Vorwürfe zurück, chinesische Firmen zapften unerlaubt US-Modelle an, um aufzuholen. US-Firmen wie Anthropic hatten dies behauptet.+ mehr Blickwinkel

Die staatsnahe Global Times feiert die Konferenz mit über 300 Weltpremieren als Schaufenster chinesischer KI-Stärke, während die liberale Zeit warnt, die KI-Welt zerfalle in zwei Blöcke, und Xis neue Organisation als Inszenierung eines Gegengewichts zu den USA deutet. Le Figaro spricht von einem Wendepunkt und ordnet Xis Werben für eine globale Regulierung als neue Front der Rivalität mit Trumps Amerika ein. Bloomberg berichtet, Peking habe Vorwürfe zurückgewiesen, chinesische Konkurrenten destillierten unerlaubt Ergebnisse führender US-Modelle, nachdem Firmen wie Anthropic das behauptet hatten. Die New York Times verweist zudem auf das frei verfügbare Kimi-Modell des chinesischen Anbieters Moonshot, das den Abstand zur US-Spitze verringere. So prallen Chinas Selbstdarstellung als Kooperationsführer und die westliche Sicht von Blockbildung und geistigem Diebstahl aufeinander.

Global TimesDie ZeitLe FigaroBloombergNew York Times

Milliarden-Poker um KI-Rechenzentren: SpaceX, Meta und Anthropic, Chip-Start-up Etched

KI-BoomRechenzentren

Der Wettlauf um Rechenkapazität für Künstliche Intelligenz treibt neue Milliarden-Deals: SpaceX verhandelt Berichten zufolge mit dem Pentagon über ein Rechenzentrum, Meta und Anthropic sprechen über einen bis zu 10 Milliarden Dollar schweren Rechenzentrums-Deal. Das Chip-Start-up Etched strebt eine Bewertung von 20 Milliarden Dollar an.+ mehr Blickwinkel

Das Wall Street Journal berichtet, SpaceX und das Pentagon verhandelten über ein Rechenzentrum, und das KI-Chip-Start-up Etched sei in Gesprächen über eine Bewertung von 20 Milliarden Dollar. Die FT meldet, Meta und Anthropic verhandelten über einen Rechenzentrums-Deal von bis zu 10 Milliarden Dollar, wobei Meta über den Einstieg ins Cloud-Geschäft nachdenke und insgesamt 145 Milliarden Dollar in Infrastruktur stecke. Die Deals zeigen, wie der Hunger nach Rechenleistung Kapital in nie gekannter Höhe bindet und Tech-Konzerne, Start-ups und den Staat enger verzahnt, etwa über die Gespräche zwischen SpaceX und dem Pentagon. Zugleich stützen sich die Angaben bislang auf Berichte von WSJ und FT und sind teils als exklusiv und noch unbestätigt gekennzeichnet. Ob aus dem Kapitaleinsatz tragfähige Geschäfte werden oder eine Blase heranwächst, ist offen.

Wall Street JournalFinancial Times

Frankreich und Deutschland wollen europäischen Palantir-Rivalen aufbauen

Europas Tech-SouveränitätEuropas Verteidigung

Frankreich und Deutschland wollen gemeinsam eine europäische Alternative zur US-Analysesoftware Palantir entwickeln. Damit reagieren sie auf die Abhängigkeit von amerikanischer Software bei Polizei, Geheimdiensten und Militär. Ein hoher NATO-Kommandeur hatte zuletzt beklagt, es gebe bislang keine echte europäische Alternative.+ mehr Blickwinkel

Nach einem Bericht von Politico Europe wollen Paris und Berlin einen europäischen Konkurrenten zu Palantir aufbauen, dessen Analyseplattform in mehreren europäischen Sicherheitsbehörden im Einsatz ist. Hintergrund ist die wachsende Sorge über die Abhängigkeit von US-Software in sicherheitsrelevanten Bereichen, verschärft durch mögliche Zugriffe amerikanischer Stellen und die politische Nähe des Palantir-Gründers zur Trump-Regierung. Ein hoher NATO-Kommandeur hatte betont, es gebe bislang keine gleichwertige europäische Lösung. Fachmedien wie die WirtschaftsWoche verweisen darauf, dass frühere Souveränitätsinitiativen an Skalierung und Marktdurchdringung scheiterten. Die Quellenlage zum konkreten Vorhaben ist noch dünn und stützt sich vor allem auf den Politico-Bericht. Ob aus der Ankündigung ein tragfähiges Projekt wird, muss sich erst zeigen.

Politico EuropeWirtschaftsWoche