Mittwoch, 15. Juli 2026 · GeopolitikKiew baut die Regierung um, Russland trifft Frachter im Schwarzen Meer
Die Ukraine hat den Rücktritt von Ministerpräsidentin Julia Swyrydenko angenommen, Teil eines von Präsident Selenskyj angestoßenen Führungsumbaus; auch der Chef des Rüstungskonzerns Ukroboronprom trat nach einem tödlichen russischen Angriff zurück. Zugleich beschossen russische Kräfte zwei weitere Handelsschiffe vor Odessa, ein Kapitän wurde getötet.
Nach nur einem Jahr im Amt trat Swyrydenko auf Bitten Selenskyjs zurück; ein Angebot, Botschafterin in Washington zu werden, lehnte sie laut Ukrainska Pravda schroff ab („Geh zur Hölle“), wie das unabhängige russische Meduza meldet. Herman Smetanin gab die Führung von Ukroboronprom ab, nachdem ein russischer Schlag auf ein Lager nahe Kiew neun Menschen getötet hatte. Über diese Personalien berichten das regierungsnahe türkische Daily Sabah und Meduza weitgehend übereinstimmend. Bei der militärischen Lage betonen die Lager Unterschiedliches: Die konservative Welt und das Wall Street Journal heben ukrainische Erfolge hervor, gezielte Drohnenangriffe auf russische Ölraffinerien, die Moskau „große Probleme“ bereiteten, und eine Seedrohne, die ein russisches Schiff nahe einem mutmaßlich Putin zugeordneten Anwesen versenkte. Meduza dokumentiert die russische Gegenseite: den Beschuss zweier Frachter unter tansanischer und liberianischer Flagge im Schwarzmeer-Korridor mit einem getöteten Kapitän und drei Verletzten. Fakt ist über die Lager hinweg, dass der Krieg zugleich an der Front, in der Luft und zur See weitertobt und der Kiewer Führungsumbau mitten in diese Belastung fällt.
Die Welt · Wall Street Journal · Daily Sabah · Meduza
Mittwoch, 15. Juli 2026 · GeopolitikNach Grahams Tod: US-Senat treibt scharfes Russland-Sanktionsgesetz voran
Nach Grahams Tod: US-Senat treibt scharfes Russland-Sanktionsgesetz voran
Der US-Senat bringt ein von dem verstorbenen Senator Lindsey Graham mitverfasstes Sanktionsgesetz gegen Russland voran, das dem Präsidenten Zölle von bis zu 100 Prozent auf Käufer russischen Öls und Gases erlaubt. Grahams Schwester Darline Graham Nordone rückt derweil in seinen Senatssitz nach; Trump, früher gegen harte Sanktionen, zeigt sich nun offen.
Das parteiübergreifend getragene Gesetz war Grahams außenpolitisches Vermächtnis; nach seinem Tod hoffen Unterstützer beider Parteien, es „ihm zu Ehren“ zu verabschieden, wie die New York Times berichtet. Die konservative Welt, die den Entwurf nach eigenen Angaben einsehen konnte, hebt den „mächtigen Mechanismus“ hervor und zitiert Dankbarkeit für Trumps Unterstützung. Das russische Exilmedium Meduza verweist dagegen auf eine WSJ-Analyse, wonach das „Sanktions“-Gesetz in Wahrheit ein Zollgesetz sei: Es ermächtige den Präsidenten zu Strafzöllen von bis zu 100 Prozent gegen die größten Abnehmer russischen Öls und Gases, allen voran China und Indien; manche Demokraten fürchteten, damit Trump eher eine Handelswaffe als einen Schlag gegen Moskau in die Hand zu geben. Das Handelsblatt schildert den Entwurf nüchtern als Zeichen, dass beide Parteien den Druck auf Russland erhöhen wollen und Trump seinen Widerstand aufgegeben hat. Der serbische Sender B92 rückt eine Nebenfront in den Blick: Trump wies Verschwörungstheorien über Grahams Tod zurück und meinte, das FBI „verschwende seine Zeit“. Umstritten bleibt damit weniger das Ob als das Wozu, ein Instrument gegen Moskau oder ein Zollhebel gegen Peking und Neu-Delhi.
Die Welt · New York Times · Meduza · Handelsblatt · B92
Prognose · Einschätzung
●Wahrscheinlich55%
Das Gesetz gewinnt im Gedenken an Graham an Rückhalt und wird in abgeschwächter Form verabschiedet, sein Zoll-Mechanismus bleibt aber eine Drohkulisse.
▲Schlimmstenfalls20%
Der Präsident nutzt die 100-Prozent-Zölle vor allem als Handelswaffe gegen China und Indien und entfacht einen breiteren Handelskrieg.
▼Bestenfalls25%
Das Gesetz erhöht gezielt den Druck auf Moskau und stärkt Kiews Verhandlungsposition, ohne Drittstaaten in einen Zollkrieg zu ziehen.
Montag, 13. Juli 2026 · GeopolitikRussland greift Kiew und weitere Städte erneut mit Raketen an
Russland greift Kiew und weitere Städte erneut mit Raketen an
Russische Truppen haben Kiew und andere ukrainische Städte in der Nacht mit einer Serie von Raketenangriffen überzogen. Behörden meldeten Brände in mehreren Stadtteilen, Moskau spricht von Angriffen auf Rüstungsfabriken. Parallel wirft der Kreml Kiew eine "beispiellose" Kampagne gegen zivile Schiffe im Asowschen Meer vor.
Die Süddeutsche Zeitung meldet Brände in mehreren Kiewer Stadtteilen, darunter eine brennende Lagerhalle; über Opfer lag zunächst nichts vor. Das russische Verteidigungsministerium erklärte laut Politika (staatsnah), man habe gezielt Militärfabriken in Kiew getroffen. Moskau meldet zudem, zwei Matrosen seien bei ukrainischen Angriffen auf Schiffe im Asowschen Meer getötet worden, und spricht von einer "beispiellosen" ukrainischen Kampagne gegen zivile Schiffe. Die Welt beleuchtet parallel den Einsatz zunehmend autonomer russischer KI-Drohnen, die eigenständig Ziele erkennen. Die Darstellungen der Kriegsparteien stehen sich unversöhnlich gegenüber: westliche/ukrainische Quellen betonen den Beschuss von Wohngebieten, russische die Zerstörung von Rüstungszielen und eigene zivile Opfer.
Süddeutsche Zeitung · Politika · Die Welt
Prognose · Einschätzung
●Wahrscheinlich65%
Die russischen Luftangriffe und ukrainischen Gegenschläge setzen sich im bekannten Muster fort, ohne territoriale Verschiebung an der Front.
▲Schlimmstenfalls15%
Die Eskalation im Asowschen Meer und der Drohnenkrieg weiten sich aus und ziehen zivile Schifffahrt und Nachbarstaaten stärker hinein.
▼Bestenfalls20%
Der westliche Druck aus Paris und neue Luftabwehrlieferungen dämpfen die russischen Angriffe spürbar.