SymbolbildEuropäischer Gaspreis auf höchstem Stand seit 2022, Speicher niedrig gefüllt
Die europäischen Gaspreise erreichten am Dienstag ihren höchsten Stand seit fast vier Jahren. Das Bundeswirtschaftsministerium plant unterdessen eine Verbraucherumlage für eine Notfallreserve.
Der niederländische TTF-Terminkontrakt stieg am Dienstag auf 87,20 Euro je Megawattstunde, den sechsten Tag in Folge, berichtet die Financial Times; das Handelsblatt nannte 85,95 Euro. Vor dem Iran-Krieg Ende Februar lag der Preis bei rund 32 Euro. Die Speicher sind laut Handelsblatt zu weniger als 74 Prozent gefüllt, der Fünfjahresschnitt liegt bei etwa 89 Prozent, in Deutschland sind es nur 60 Prozent. Die Financial Times ergänzt, dass der Streit zwischen Donald Trump und Wolodymyr Selenskyj über russischen Diesel sowie eine vorhergesagte Kältewelle die Märkte verunsicherten.
Berlin plant Umlage für Gasreserve
Ein Entwurf aus dem Haus von Katherina Reiche (CDU) sieht eine Reserve von 24 Milliarden Kilowattstunden vor, die die Bundesnetzagentur erst nach Ausrufung einer Notfallstufe freigeben könnte. Die Kosten von 247 bis 308 Millionen Euro im Jahr trügen zu rund 60 Prozent Industriekunden; ein typischer Haushalt zahlte ab dem 1. Oktober 2027 jährlich 3,77 bis 7,20 Euro. Julia Verlinden von den Grünen kritisierte den Plan.
Analysten erwarten anhaltende Knappheit
Von Reuters zitierte Analysten, wiedergegeben von Politika, erwarten vor 2028 keine Rückkehr zu Vorkriegspreisen. Ein EU-Importverbot für russisches LNG ab Januar 2027 könnte den Druck erhöhen.
Andere Meinungen
TASS führt die Preise auf Rekordtiefstände der Speicher und den Nahostkonflikt zurück und erwähnt den Streit um russischen Diesel nicht.