SymbolbildHitze und Niedrigwasser zwingen EU-weit Kraftwerke zur Abschaltung
In sechs EU-Ländern stehen Kraftwerke still, weil die Flüsse zu niedrig und zu warm sind, während seichtes Wasser die Frachtschifffahrt auf dem Rhein lahmgelegt hat. Die Europäische Kommission bezeichnete die Energielage der Gemeinschaft am Donnerstag als angespannt, sah aber keine unmittelbare Versorgungsgefahr.
Was passiert ist
- Frankreich hat drei seiner 56 Reaktoren wegen Niedrigwasser an Maas und Mosel vom Netz genommen und drei weitere gedrosselt.
- Ungarns einziges Atomkraftwerk ist wegen des Donau-Rekordtiefstands weitgehend abgeschaltet; ein Reaktor in Cernavoda in Rumänien steht still.
- Italiens Roter Alarm gilt für Städte von Palermo bis Bozen; Piemont rief diese Woche den Dürre- und Waldbrandnotstand aus.
- Ungarn hat das Parlament und die Kettenbrücke nachts verdunkelt; der Hafen Duisburg meldet Verladungen von nur etwa einem Drittel des Normalwerts.
- Der Frachtpreis für Mineralöl von Karlsruhe zu den Nordseehäfen erreichte 200 Euro pro Tonne, über dem Rekord von 130 Euro aus dem August 2022.
Der Blick von außen
Die New York Times deutet den Rekord-Niedrigstand des Rheins vor allem als Risiko für Lieferketten und Wachstum in Europa; Reuters weist darauf hin, dass Österreich diese Woche mehrfach nationale Hitzerekorde brach, mit einem Höchstwert von 41,2 °C am Mittwoch.
Mögliche Folgen
- EDF plant fast 9 Milliarden Euro über fünfzehn Jahre, um seine Atom- und Wasserkraftwerke an Hitze und Dürre anzupassen.
- Ungarn und Slowenien haben in Brüssel Frühwarnungen eingereicht, die Vorstufe zu einem Krisenzustand, der Notfallhilfe erfordert.
- Rumänien bereitet sich darauf vor, vier mit Gestein gefüllte Lastkähne in der Donau zu versenken, um seinem funktionsfähigen Reaktor ein paar Tage zu verschaffen.
- Deutschlands Verkehrsminister sollte sich am Donnerstag in Bonn mit Vertretern der Industrie und der Häfen treffen; Rheinland-Pfalz drängt auf eine beschleunigte Rheinvertiefung.