SymbolbildRekordtiefe Flusspegel zwingen weitere Reaktoren in Europa vom Netz
Europas vierte Hitzewelle des Sommers hat Rhein und Donau auf Rekordtiefstände gedrückt und Kernreaktoren in Frankreich und Ungarn vom Netz genommen. Der Frachtverkehr auf Flussschiffen wird gedrosselt oder auf die Schiene verlagert.
Was passiert ist
- EDF schaltete Reaktor 1 in Chooz spät am Samstag, den 1. August, im Rahmen eines französisch-belgischen Maas-Abkommens von 1998 ab; Chooz 2 ist bereits seit dem 11. Juli vom Netz.
- Ein Reaktor in Cattenom ging in der Nacht zum Samstag vom Netz, als der Pegel der Mosel sank; EDF drosselt zudem die Leistung an vier weiteren Reaktoren.
- Der Rhein bei Kaub sank am Montag auf 24 Zentimeter, den niedrigsten Stand seit Beginn der Aufzeichnungen 1880; Köln erreichte am Samstag 67 Zentimeter.
- Ungarns Kraftwerk Paks, das über 40 Prozent des nationalen Stroms liefert, läuft nur noch mit knapp über 10 Prozent Kapazität, während die Donau schrumpft.
- Niedrigwasser legte versenkte deutsche Kriegsschiffwracks aus dem Zweiten Weltkrieg bei Prahovo in Serbien frei, wo rund 200 Schiffe versenkt wurden, um sowjetische Verfolger aufzuhalten.
Der Blick von außen
The National (VAE) ist die einzige Quelle, die die Störung beziffert: Der Transport von Diesel von Rotterdam nach Karlsruhe kostet so viel wie nie seit Beginn der Bloomberg-Aufzeichnungen 2009, und die Frachtmengen zwischen Rotterdam und dem Rhein liegen etwa 10 Prozent unter dem Normalwert. Zitiert wird ein Analyst der Datenfirma Kpler, wonach die Wahl nun zwischen Stromausfällen und deutlich höheren Investitionen bestehe.
Mögliche Folgen
- Paks könnte wochenlang stillstehen; Ungarn müsste mehr Strom importieren, nachdem Haushalte und über 300 Unternehmen ihren Verbrauch bereits freiwillig gesenkt haben.
- Es ist offen, wie lange die Grenzwerte an Maas und Mosel französische Reaktoren vom Netz halten; die Hitzewelle hat sich bis in diese Woche hingezogen.
- Lastkähne laden weniger, um flache Abschnitte zu passieren, wodurch die Frachtraten hoch bleiben und der Rheinkorridor sich verlangsamt.
- Le Monde berichtet, dass der ausgetrocknete Rhein das deutsche BIP zu belasten droht; diese Analyse liegt größtenteils hinter der Bezahlschranke.