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Bota
Symbolbild

Waldbrände in Frankreich und Spanien vertreiben Hunderttausende aus ihren Häusern

13 Quellen

Brände in der Region Gironde um Bordeaux und in den Bergen südwestlich von Madrid haben laut Bloomberg mehr als 300.000 Menschen aus ihren Häusern vertrieben – nach Angaben französischer Medien und Behörden die größte Evakuierung des Landes seit dem Zweiten Weltkrieg. Allein in Frankreich sind 220.000 Menschen von Evakuierungsanordnungen betroffen, und 42.000 Hektar sind abgebrannt; in Spanien haben sich zwei Brände in den Regionen Madrid und Ávila zu dem vereinigt, was die FAZ als den größten Waldbrand in der jüngeren Geschichte des Landes bezeichnet. Beide Regierungen haben Soldaten und Flugzeuge mobilisiert, während evakuierte Bewohner in Spanien den Behörden Nachlässigkeit vorwerfen.

Spanien FrankreichSNCFUME (Spanish military emergency unit)

Wildfires force mass evacuations in France and Spain, Madrid declares emergency

Was passiert ist

Im Südwesten Frankreichs und in Zentralspanien brennen gleichzeitig zwei Feuerkomplexe. Im französischen Département Gironde erklärte Innenminister Laurent Nuñez am Sonntag, dass 42.000 Hektar abgebrannt und 220.000 Menschen von Evakuierungsanordnungen betroffen seien; über Nacht wurden fünf weitere Gemeinden mit 55.000 Menschen evakuiert, und rund 240 Häuser wurden zerstört. Nach Angaben des Ministeriums wurden 84 Feuerwehrleute verletzt. Das Feuer erzeugt seinen eigenen Wind und rückte bis auf 15 Kilometer an die Grenze des Großraums Bordeaux heran – rund 17 Kilometer vom Stadtzentrum und 25 bis 30 Kilometer von der Stadtgrenze entfernt, wie es Bürgermeister Thomas Cazenave formulierte. Feriengebiete auf der Halbinsel Cap Ferret, rund um das Becken von Arcachon und in Biscarrosse wurden geräumt; mehr als 7.000 Menschen suchten Zuflucht im Messegelände von Bordeaux, das Platz für 10.000 Personen bietet. Frankreich erhöhte die Zahl der die Feuerwehr unterstützenden Soldaten von 500 auf 1.000, setzte 18 Löschflugzeuge ein, darunter einen umgebauten A400M, der bis zu 20 Tonnen abwerfen kann, und schickte 1,5 Millionen FFP2-Masken in die Region. Die Präfektur bezeichnete die Nacht zum Montag als „insgesamt stabil", begleitet von Regen. In Spanien wurden seit Donnerstag fast 40 Dörfer geräumt, und bis Sonntag waren laut FAZ mehr als 100.000 Menschen in Sicherheit gebracht worden; an anderer Stelle zitiert die Zeitung offizielle Angaben von rund 63.000 Spaniern, die aus ihren Häusern vertrieben oder abgeschnitten wurden. In den Regionen Madrid und Ávila waren mehr als 3.400 Einsatzkräfte und rund 30 Flugzeuge im Einsatz. Die Brände bei Madrid und Ávila verschmolzen zu einem einzigen Großfeuer; am Sonntag ließ der Wind nach. Die Regierung erklärte die Region Madrid und die Provinz Toledo zu Katastrophengebieten. Die Gesamtzahlen unterscheiden sich je nach Medium: Das Handelsblatt berichtet von 240.000 Evakuierten in beiden Ländern, Bloomberg von mehr als 300.000.

Die Lager

Die französische Regierung betont sowohl das Ausmaß als auch die Grenzen der Lage. Nuñez nannte die Situation vor den Toren von Bordeaux „sehr ungünstig" und sagte, das Feuer breite sich „unkontrolliert in Richtung des Großraums Bordeaux" aus; eine Evakuierung der Stadt solle vermieden werden, könne aber nicht ausgeschlossen werden. Bürgermeister Cazenave erklärte, eine Evakuierung der rund eine Million Einwohner des Großraums stehe „außer Frage", da das Feuer im Süden liege und sich nicht nach Westen ausbreite; dennoch aktivierte er den Evakuierungsplan für den Großraum. Feuerwehrleute, die von französischen Nachrichtensendern zitiert wurden, äußerten sich pessimistischer; einer sagte: „Das Feuer ist außer Kontrolle. So etwas habe ich noch nie erlebt." In Spanien kündigte Ministerpräsident Pedro Sánchez vom Kommandoposten in Cenicientos aus an, der gesamte spanische Staat werde alle Mittel einsetzen, um das Feuer zu stoppen. Generalleutnant Francisco Javier Marcos Izquierdo von der militärischen Noteinsatzeinheit UME sagte am Abend: „Die Brände sind noch nicht unter Kontrolle, aber die Lage ist unter Kontrolle." Evakuierte Bewohner widersprechen dieser Beschwichtigung. Ein von der FAZ zitierter Handwerker sagte: „Vor dem Feuer haben sich die Politiker um nichts gekümmert. Sie sind schuld daran, dass jetzt die Häuser der Menschen abbrennen." Ähnliche Vorwürfe waren das gesamte Wochenende über zu hören.

Der Blick von außen

Medien außerhalb der beiden betroffenen Länder rahmen die Brände eher als europäisches denn als nationales Ereignis. Das Wall Street Journal titelt, Waldbrände wüteten „in ganz Europa" und bedrohten die Region Bordeaux; die Financial Times beschreibt „heftige" Brände in der Nähe französischer und spanischer Städte; Bloomberg stellt die Zahl von mehr als 300.000 Vertriebenen in den Vordergrund. Die New York Times stellt die Brände in einen klimatischen Zusammenhang und weist darauf hin, dass die betroffenen Gebiete Frankreichs und Spaniens bereits ungewöhnlich heiße und trockene Sommer erlebt hatten; sie berichtet aus spanischen Notunterkünften, in denen Menschen in Hallen oder in ihren Autos schlafen, manche mehrfach evakuiert, während die Flammen näher rückten, wartend darauf zu erfahren, ob ihre Häuser noch stehen. Golfstaaten, chinesische oder Quellen aus dem Globalen Süden sind in dieser Auswahl nicht vertreten.

Was neu ist

Einen Tag zuvor lag die gemeldete Gesamtzahl bei nahezu 300.000 Menschen, die in beiden Ländern zur Evakuierung oder zum Schutz in Innenräumen aufgefordert wurden, wobei mehr als 25.000 rund um Bordeaux in Sicherheit gebracht wurden, darunter auf der Halbinsel Cap Ferret. Seitdem ist allein die französische Zahl auf 220.000 Menschen unter Evakuierungsanordnungen in der Gironde gestiegen, das Feuer hat sich bis auf 15 bis 17 Kilometer an Bordeaux angenähert, der Evakuierungsplan für den Großraum wurde aktiviert und das militärische Kontingent auf 1.000 verdoppelt. Neu auf spanischer Seite sind die Verschmelzung der Brände bei Madrid und Ávila zu einem einzigen Feuer, die Ausrufung des Katastrophengebiets für die Region Madrid und die Provinz Toledo sowie eine erste vorsichtige Entwarnung durch die UME, nachdem der Wind am Sonntag nachgelassen hatte. In der Nacht zum Montag brachten Regen und eine stabile Wetterfront in der Gironde Entspannung.

Mögliche Folgen

Sollten sich die schwächeren Winde und der in der Gironde gemeldete Regen halten, könnten sich die Eindämmungslinien stabilisieren und erste Evakuierte zurückkehren dürfen; die Aufmerksamkeit würde sich dann auf die rund 240 zerstörten Häuser und auf Entschädigungen für eine mitten in der Hochsaison unterbrochene Sommer-Tourismussaison verlagern. Sollte das Feuer wieder an Intensität gewinnen und weiterhin seinen eigenen Wind erzeugen, würde sich die französische Debatte auf die Frage verlagern, die Nuñez bislang offengelassen hat: eine teilweise Evakuierung von Teilen des Großraums Bordeaux, mit entsprechenden Anforderungen an die Unterbringungskapazitäten über die derzeit verfügbaren 10.000 Plätze hinaus. In Spanien eröffnen die Katastrophengebiets-Erklärungen für Madrid und Toledo einen Wiederaufbau- und Entschädigungsprozess, der parallel zu den Vorwürfen der Nachlässigkeit verläuft, die derzeit gegen nationale und regionale Behörden erhoben werden; beide Regierungen stehen unter Druck, ihre Präventions- und Personalentscheidungen vor der nächsten Hitzeperiode zu erklären.

Lesenswert

Quellen

FAZFAZNew York Times

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