SymbolbildErmittler konzentrieren sich nach Zugunglück in Spanien auf Anweisung der Leitstelle
Mindestens 69 Menschen starben am Mittwoch, als ein Hochgeschwindigkeitszug der Renfe bei Urda in der Provinz Toledo auf einen stehenden Iryo-Zug prallte. Spanien begann am Donnerstag drei Tage Staatstrauer.
Durchgesickerte Tonaufnahmen legen nahe, dass eine Leitstelle in Madrid, die nach einem Ausfall des Sicherheitssystems LZB den Verkehr manuell steuerte, den Renfe-Lokführer um 8.36 Uhr anwies, mit normaler Geschwindigkeit weiterzufahren, obwohl der Iryo-Zug 25 km voraus stand (FT, Koha). Verkehrsminister Óscar Puente nannte die Entscheidung „unerklärlich“ und verwies auf menschliches Versagen. Rettungskräfte durchsuchten die Trümmer die ganze Nacht mit Kränen und Drohnen. Der Regionalpräsident Emiliano García-Page sagte, in einem umgestürzten Waggon rechne man nicht mehr mit weiteren Toten, doch müssten gefundene Körperteile noch identifiziert werden.
Experten und Gewerkschaften weisen Einzelschuld zurück
Der Ingenieurprofessor Ricardo Díaz Martín sagte der FT, die Sicherheitssysteme selbst seien verfallen und die Regierung könne nicht einem Mann die Schuld geben. Vicente Almenar von der Gewerkschaft UGT erklärte, menschliche Fehler entstünden, wenn Beschäftigten die nötige Ausrüstung fehle. Lokführer hielten am Donnerstag an einem geplanten Streik um Sicherheit und Personal fest.
Politische Folgen vor der Wahl
Die rechtsextreme Vox reichte am Donnerstag eine Klage wegen fahrlässiger Tötung gegen Puente ein, während Podemos und die Republikanische Linke Kataloniens seinen Auftritt im Parlament fordern. Oppositionsführer Alberto Núñez Feijóo nannte die Fokussierung auf einen Fahrdienstleiter „eines Ministers unwürdig“. Rund 1500 Menschen, zu denen die rechtsextreme Falangistische Jugend aufgerufen hatte, protestierten in Madrid vor dem Ministerium, die Polizei setzte laut Handelsblatt Tränengas ein. Die Parlamentswahl findet am 29. November statt.