SymbolbildEbola-Ausbruch im Kongo breitet sich schneller aus als die Reaktion darauf, sagt die WHO
Die WHO erklärt, der Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo breite sich schneller aus, als die Reaktion darauf hochgefahren werde; in manchen Hotspots verdoppelten sich die Neuinfektionen binnen einer Woche. Das sagte WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus am Mittwoch nach einem Besuch in Kinshasa.
Was passiert ist
- Der 17. Ebola-Ausbruch im Kongo begann am 15. Mai im Osten des Landes; am 1. August bezeichnete die WHO ihn als den größten in der Geschichte des Landes.
- Die WHO zählt mehr als 3.700 Fälle und rund 1.600 Todesfälle; Impfstoffexperte Richard Hatchett nennt 3.748 Infektionen und 1.657 Todesfälle.
- Laut Hatchett wurden kürzlich an einem einzigen Tag mehr als 50 Todesfälle gemeldet, die Fallsterblichkeitsrate liegt bei etwa 40 Prozent.
- In Kinshasa traf Tedros Gesundheitsbeamte und humanitäre Organisationen, die sich einig waren, dass die Reaktion dringend hochgefahren werden muss.
- Vereinbarte Prioritäten: breiterer Zugang zu Behandlung, bessere epidemiologische Überwachung, Schutz des medizinischen Personals, sichere Bestattungen.
Der Blick von außen
TASS hält sich an die WHO-Erklärung, und der Telegraph fokussiert seinen Teaser auf die Verdopplungszahlen, während die FAZ in einem Interview mit Hatchett dem Impfstoff-Strang folgt und den Verkehrsknotenpunkt Kisangani als neues Risiko benennt. Hatchett stellt den Ausbruch zudem der Epidemie des Zaire-Stamms von 2018 bis 2020 in derselben Region gegenüber, die 22 Monate dauerte, rund 3.480 Fälle verursachte und mit dem zugelassenen Impfstoff Ervebo bekämpft werden konnte.
Mögliche Folgen
- Erste Feldversuche des Oxford-Impfstoffs ChAdOx1 BDBV und eines Moderna-Kandidaten werden für den Herbst erhofft, möglicherweise Ende September oder Anfang Oktober.
- Die Verimpfungsstrategie ist noch offen: Impfung von Kontaktpersonen zum Aufbau von Pufferzonen oder gezielte Impfung ganzer Gemeinden.
- Hatchett stuft das Risiko einer geografischen Ausbreitung als sehr hoch ein, da Kisangani weitaus besser angebunden ist als der abgelegene Osten.
- Viele Übertragungsketten bleiben unentdeckt, und Menschen sterben unregistriert zu Hause, sodass die offiziellen Zahlen den Ausbruch möglicherweise unterschätzen.