SymbolbildAngehörige suchen nach Vermissten, während sich die Zahl der Todesopfer in Ceuta der 100er-Marke nähert
Hunderte Menschen versammelten sich diese Woche in der marokkanischen Stadt Fnideq und hielten Fotos von Angehörigen hoch, die seit dem Übertritt von rund 72.000 Menschen in die spanische Enklave Ceuta Ende letzten Monats vermisst werden. Behörden beziffern die Zahl der Todesopfer inzwischen auf nahezu 100.
Was passiert ist
- Der Grenzübertritt begann am Donnerstag, den 30. Juli; viele schwammen um den Grenzzaun herum, manche ertranken, andere wurden erdrückt.
- Lokale Behörden zählen mindestens 88 Tote in Ceuta und 11 in Marokko; die spanische Regierung spricht von mindestens 75.
- Spanien schickte etwa 70.000 Menschen zurück; rund 2.000 verbleiben in Ceuta, darunter 862 registrierte unbegleitete Minderjährige.
- Die Ankünfte auf dem Landweg summierten sich von Januar bis Juli auf 3.835 gegenüber 1.452 im Vorjahr; in Tarajal ist wieder Ruhe eingekehrt.
Der Blick von außen
Al Jazeera führt Online-Spekulationen auf einen Bewilligungsbericht des US-Repräsentantenhauses zu HR 8595 zurück, der 40 Millionen Dollar an Sicherheitshilfe für Marokko vorsieht und Rabats langjährigen Anspruch auf Ceuta und Melilla erwähnt. Le Monde lässt den Ökonomen Jamal Bouoiyour zu Wort kommen, der eher auf die marokkanische Jugendarbeitslosigkeit von über 37 Prozent verweist als auf die Grenzpolitik, während The Economist Europa vorwirft, Migrations-Erpressung durch seine Nachbarn zu begünstigen.
Mögliche Folgen
- Dutzende werden weiterhin vermisst; die von Spanien, Marokko und lokalen Behörden genannten Opferzahlen wurden nicht abgeglichen.
- NGOs in Spanien berichten, dass einige Personen, die Anspruch auf internationalen Schutz gehabt hätten, zurückgeschickt wurden, bevor sie Asyl beantragen konnten.
- Unicef Spanien warnt, dass möglicherweise weitere unbegleitete Kinder auf den Straßen Ceutas ungeschützt sind.
- HR 8595 hat das US-Repräsentantenhaus passiert, nicht aber den Senat.
Spain: Madrid worked with Rabat to return the vast majority within 48 hours, deployed troops and fended off calls to suspend it from Schengen.
Morocco: Rabat cooperated on the returns and reports 11 deaths on its side of the border.
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