SymbolbildEU-Innenminister beraten nach Massenansturm auf Ceuta
Am Donnerstag und Freitag überquerten Zehntausende Menschen die Grenze von Marokko in die spanische Exklave Ceuta, die meisten sind inzwischen zurückgekehrt. Die EU-Innenminister beraten am Dienstag in einer Dringlichkeitssitzung, nachdem Italien und Dänemark den vorübergehenden Ausschluss Spaniens aus dem Schengen-Raum gefordert hatten.
Was passiert ist
- Spanische Schätzungen zu den Ankünften am Donnerstag, 30. Juli und Freitag reichen von etwa 50.000 bis über 60.000; Marokkos Innenministerium zählte 40.000.
- Die Angaben zu den Todesopfern gehen auseinander: Die Behörden von Ceuta melden 88 Tote, Le Monde beruft sich auf lokale Behörden mit mindestens 72, Marokko meldete 11 Ertrunkene.
- Spanien zufolge kehrten innerhalb von vier Tagen rund 69.500 Menschen zurück; Behörden beziffern die Zahl der noch in der Stadt Verbliebenen auf 2.500 bis 5.000.
- Ein lokaler Beamter zählte 862 verbliebene unbegleitete Minderjährige; Save the Children spricht von fast 1.000 in einer Stadt mit 84.000 Einwohnern.
- Spaniens Oberster Gerichtshof entschied am 8. Juli, dass Migranten, die nach Ceuta schwimmen, nicht summarisch abgeschoben werden dürfen; Spanien installiert nun eine 500 Meter lange schwimmende Barriere.
Der Blick von außen
Die israelische Jerusalem Post zitiert einen Analysten, der den Ansturm als Beginn einer weit größeren Bewegung junger Afrikaner nach Europa deutet, und berichtet über Verschwörungsbehauptungen zu einer israelischen Beteiligung, die keine andere Quelle aufgreift.
The Guardian ergänzt, dass Rom die Errichtung von Auffangzentren außerhalb der EU beschleunigen wolle – Zentren, die Europas führender Menschenrechtsexperte kürzlich als mögliche „menschenrechtliche Schwarze Löcher“ bezeichnet hatte.
Mögliche Folgen
- Ob Rabat den Zustrom gesteuert hat, bleibt umstritten: Der spanische Geheimdienst fand keine Hinweise auf staatliche Planung, erklärt aber, die marokkanische Grenzüberwachung sei aufgehoben worden.
- Die Videokonferenz am Dienstag soll Lehren ziehen; Le Monde weist darauf hin, dass ein Ausschluss Spaniens aus dem Schengen-Raum nach EU-Recht rechtlich unmöglich sei.
- Madrid hat trotz angebotener EU-Mittel keine Frontex-Unterstützung angefordert; die Versorgung der verbliebenen Minderjährigen ist ungeklärt.
- Italiens seit Samstag geltende Kontrollen von Drittstaatenreisenden aus Spanien sind vorerst nur für August vorgesehen.
Spain: Madrid says the return system worked and calls other governments selfish and prejudiced, while Ceuta's leader calls the influx an attack on Spanish territorial integrity that Morocco at least encouraged or permitted.
Morocco: Rabat blames smuggling rings, the "malicious exploitation of the digital space" and misinformation about the Spanish court ruling, and presents itself as a reliable partner offering further cooperation.
Italy and Denmark: Rome and Copenhagen organised a letter of 22 leaders blaming Spain's regularisation of 500,000 undocumented migrants and called for Spain's temporary exclusion from Schengen.
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