Symbolbild„Nowaja Gaseta“ schließt nach Räumung und Wegfall der Spenden
Russlands letzte große unabhängige Zeitung, die „Nowaja Gaseta“, hat am Freitag ihre Schließung zum 9. November angekündigt. Die Redaktion macht die Sicherheitsdienste dafür verantwortlich.
In einem Video auf der Website sagte Chefredakteur Sergei Sokolow: „Sie haben uns getötet.“ Die Redaktion muss nach eigenen Angaben ihren Moskauer Sitz verlassen, in dem sie rund 30 Jahre arbeitete, und zugleich wurde ihr Spendensystem für Leser abgeschaltet. Sie spricht von einer koordinierten Kampagne der Sicherheitsdienste und sagt, die Erklärung der Banken mit internen Regeln überzeuge niemanden. Laut Financial Times erscheint noch eine letzte Ausgabe, danach werden die Server abgeschaltet. Auch das Anna-Politkowskaja-Museum im Haus schließt.
Jahre des Drucks
Nach dem Beginn der Invasion in die Ukraine sperrten die Behörden die Website und entzogen die Lizenz, im September stuften sie die Zeitung als „ausländischen Agenten“ ein. Im April durchsuchte die Polizei die Redaktion und nahm den Reporter Oleg Roldugin fest, der unter Hausarrest steht; Sokolow wurde im Oktober als Zeuge vernommen.
Reaktionen und Ausblick
Reporter ohne Grenzen erklärte, mit der Schließung verschwinde eines der letzten unabhängigen Medien, die in Russland noch arbeiten konnten. Sokolow verwies darauf, dass die Zeitung schon zweimal geschlossen wurde und zurückkehrte, nannte aber keinen Zeitpunkt. Leser legten laut Meduza Blumen an der Politkowskaja-Gedenktafel vor der Redaktion nieder.