SymbolbildSchülerproteste in Frankreich erreichen neues Ausmaß, Gewerkschaften schließen sich an, Macron beruft Krisensitzung ein
Gewerkschaften, Lehrkräfte und Eltern haben sich am Dienstag den Schülerblockaden und Demonstrationen in ganz Frankreich angeschlossen. Die Polizei setzte Tränengas ein, als die seit einer Woche andauernden Proteste ihren bisher größten Tag erreichten.
Das Innenministerium zählte landesweit 256.000 Demonstrierende, davon 56.000 in Paris, die Bildungsgewerkschaften sprachen von 450.000. Die Schülergewerkschaft USL erklärte, rund 1800 Gymnasien seien blockiert oder geschlossen, das Bildungsministerium meldete dagegen an 891 ganz oder teilweise ausgefallenen Unterricht. Die Schüler fordern bessere Ausstattung, mehr Vertretungslehrer und sanierte Gebäude.
Polizeigewalt im Fokus
Am Montag riss in Lens eine Polizeigranate, die auf eine Gruppe von Schülern abgefeuert wurde, einem 15-Jährigen eine Hand ab; die Generalinspektion der Polizei ermittelt gegen die Bereitschaftspolizei. Amnesty International nannte den Polizeieinsatz unverhältnismäßig.
Reaktion der Regierung
Macron, der sich bislang nicht eingeschaltet hatte, wollte am Dienstagabend Premierminister Sébastien Lecornu, Innenminister Laurent Nuñez und Bildungsminister Édouard Geffray treffen, berichteten BFMTV, Le Monde und Le Parisien. Lecornu forderte die Ministerien auf, konkrete Verbesserungen umzusetzen, und setzte von Mittwoch bis Freitag Diskussionen statt Unterricht an.
Festnahmen und Schäden
Laut Justizministerium gab es seit Beginn der Proteste 5.060 Festnahmen, 87 Prozent davon Minderjährige. Am Dienstag zählte das Innenministerium 488 Festnahmen und 43 verletzte Beamte, Justizminister Gérald Darmanin bezifferte die Schäden auf mehrere Millionen Euro.