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Die Lage · Ausgabe 12

Sonntag, 12. Juli 2026

Der Konflikt am Golf spitzt sich weiter zu: Das US-Zentralkommando meldete eine neue, abgeschlossene Angriffswelle mit Dutzenden Zielen im Iran, während Teheran mit Schlägen der Revolutionsgarden auf US-Stellungen in mehreren Golfstaaten reagierte. Die Straße von Hormus blieb faktisch blockiert, eine Deeskalation ist nicht in Sicht.

Auch sonst prägt Geopolitik den Tag. In Paris beriet die Koalition der Willigen über gemeinsame Militärmanöver und eine Abwehr russischer Raketen, während Präsident Selenskyj einen Umbau der ukrainischen Führung samt Ablösung der Regierungschefin ankündigte. Zwei prägende internationale Figuren starben: der republikanische US-Senator Lindsey Graham, ein langjähriger außenpolitischer Falke und Unterstützer Israels, im Alter von 71 Jahren, sowie Katars früherer Emir Scheich Hamad bin Khalifa Al Thani, der das Golfemirat von 1995 bis 2013 zu einem global einflussreichen Akteur formte, mit 74 Jahren. In Ungarn beschloss das Parlament ein Gesetz zur Absetzung des Staatspräsidenten, ein Schritt im Machtkampf um Oppositionsführer Peter Magyar.

Wirtschaftlich schlug die Hormus-Eskalation voll auf die Märkte durch: Der Ölpreis machte nach Trumps Forderung einer 20-Prozent-Abgabe für Fracht durch die Meerenge den stärksten Sprung seit April, während Aktien und Anleihen nachgaben und Händler eine mögliche Fed-Zinserhöhung einpreisten. VW-Chef Oliver Blume bekräftigte unterdessen, es gebe intelligentere Lösungen als Werkschließungen, ohne diese zu konkretisieren, was Betriebsrat und Gewerkschaft misstrauisch zurücklässt.

In der Technologiebranche gerieten asiatische Chipaktien trotz eines Rekordumsatzes von TSMC unter Druck: SK-Hynix-Papiere fielen nach einem KI-getriebenen Kursrutsch in Südkorea deutlich, da Anleger eine Überhitzung des KI-Booms fürchten.

Hormus-Iran-KriseÖlmarktUS-InflationEuropas VerteidigungNATOUkraine-Krieg

Top-Thema des Tages

Geopolitik
Symbolbild

USA fliegen neue Angriffswelle gegen Iran, Teheran weitet Golf-Vergeltung aus

Hormus-Iran-KriseÖlmarkt

Das US-Zentralkommando meldete eine abgeschlossene neue Angriffswelle mit Dutzenden Zielen im Iran. Teheran reagierte mit Schlägen der Revolutionsgarden auf US-Stellungen in mehreren Golfstaaten, die Straße von Hormus blieb faktisch blockiert.+ mehr Blickwinkel

Am 12. Juli erklärte das US-Zentralkommando, seine jüngste Angriffswelle gegen den Iran sei beendet und habe Dutzende Ziele getroffen. Die iranischen Revolutionsgarden meldeten im Gegenzug Schläge gegen US-Einrichtungen in Jordanien, Bahrain und Kuwait, während die Straße von Hormus für regulären Verkehr weitgehend gesperrt blieb. Westliche und arabische Quellen (AP, AFP, Daily Sabah) schildern eine gefährliche Spirale ohne erkennbare Deeskalationslinie. Die staatsnahe Xinhua betont die US-Aggression, während die israelische Haaretz in einem Kommentar argumentiert, die Tötung Khameneis habe das Regime eher gestärkt als gestürzt. Die New York Times ordnet ein, wie Trumps früheres Iran-Abkommen die Kontrolle über die Wasserstraße faktisch nicht gesichert habe. Die Quellenlage ist breit, aber zu konkreten Opfer- und Trefferzahlen weitgehend auf Angaben der Konfliktparteien angewiesen, die sich nicht unabhängig verifizieren lassen.

Associated PressNew York TimesDaily SabahHaaretzXinhua

Geopolitik

Koalition der Willigen berät in Paris, Selenskyj baut Führung um

Europas VerteidigungNATOUkraine-Krieg

Die Koalition der Willigen kam in Paris zusammen und beriet über gemeinsame Militärmanöver und eine Abwehr russischer Raketen. Zugleich kündigte Selenskyj einen Umbau der ukrainischen Führung samt Ablösung der Regierungschefin an.+ mehr Blickwinkel

Am 12. Juli traf sich in Paris die Koalition der Willigen für die Ukraine, wie FAZ und Spiegel berichteten, auf der Tagesordnung standen mögliche gemeinsame Militärmanöver und eine engere Zusammenarbeit gegen die russische Raketenbedrohung. Reuters meldete die Gründung einer Koalition, die gezielt Russlands ballistische Raketen kontern soll. Der türkische Außenminister Hakan Fidan nahm laut Daily Sabah nach dem NATO-Gipfel an den Gesprächen teil, was die Einbindung Ankaras unterstreicht. Parallel kündigte Präsident Selenskyj laut New York Times einen breiten Führungsumbau an, bei dem Regierungschefin Julija Swyrydenko ihren Posten räumen soll, während der Krieg sich nach ukrainischer Lesart zu Kiews Gunsten dreht. Gleichzeitig meldeten beide Seiten laut Daily Sabah mindestens sechs Tote bei gegenseitigen Angriffen auf Infrastruktur. Die westlichen Quellen zeichnen ein Bild verstärkter Unterstützung, unabhängige Bestätigungen zur behaupteten Kriegswende fehlen.

FAZNew York TimesReutersDaily Sabah

US-Senator Lindsey Graham mit 71 Jahren gestorben

Tod Lindsey GrahamsHormus-Iran-Krise

Der einflussreiche republikanische Senator und langjährige außenpolitische Falke Lindsey Graham ist mit 71 Jahren gestorben. Er galt als vehementer Unterstützer Israels und der US-Angriffe auf den Iran.+ mehr Blickwinkel

Am 12. Juli meldeten AFP, NYT und The Economist den Tod des republikanischen Senators Lindsey Graham aus South Carolina im Alter von 71 Jahren. Graham war über zwei Jahrzehnte eine der prägenden außenpolitischen Stimmen im Senat, ein Hardliner, der Militärinterventionen und eine harte Iran-Politik befürwortete und Israel entschieden unterstützte. Die NYT hebt hervor, dass er die US-Angriffe auf den Iran mittrug, gerade während die Kriege die amerikanische Unterstützung erodieren ließen. Die deutsche taz zeichnet ihn als Republikaner alter Schule, für Trump zugleich Freund und Feind. Die Berliner Zeitung spricht von einem plötzlichen Vakuum in der US-Außenpolitik. Sein Tod fällt mitten in die akute Iran-Eskalation, was die Bewertungen zwischen Würdigung und kritischer Bilanz seines interventionistischen Kurses aufspaltet.

New York TimesThe EconomisttazDaily Sabah

Katars früherer Emir Scheich Hamad bin Khalifa Al Thani mit 74 gestorben

Tod von Katars Alt-Emir

Katars Ex-Emir Scheich Hamad bin Khalifa Al Thani, der das Land von 1995 bis 2013 regierte und zur globalen Macht formte, ist mit 74 Jahren gestorben. Präsident Erdogan sprach sein Beileid aus.+ mehr Blickwinkel

Die katarische Regierung teilte am 12. Juli den Tod des früheren Emirs Scheich Hamad bin Khalifa Al Thani im Alter von 74 Jahren mit, wie AP und Daily Sabah berichteten. Hamad hatte 1995 in einem unblutigen Palastputsch die Macht übernommen und Katar bis zur Abdankung zugunsten seines Sohnes 2013 regiert. In dieser Zeit baute er das kleine Golfemirat mit Gasreichtum, dem Sender Al Jazeera und einer aktiven Vermittlungsdiplomatie zu einem global einflussreichen Akteur aus. Der türkische Präsident Erdogan kondolierte laut Daily Sabah und würdigte die enge Partnerschaft. Die Quellenlage ist knapp und weitgehend würdigend, kritische Einordnungen seiner Rolle etwa bei regionalen Konflikten fehlen an diesem Tag.

Associated PressDaily SabahDaily Sabah

Ungarns Parlament beschließt Gesetz zur Absetzung des Präsidenten

Ungarn-Machtkampf

Das ungarische Parlament verabschiedete ein Gesetz, das die Amtsenthebung des Staatspräsidenten ermöglicht. Der Schritt gilt als Teil eines Machtumbaus im Umfeld des Oppositionsführers Magyar.+ mehr Blickwinkel

Am 12. Juli verabschiedete das ungarische Parlament laut Reuters ein Gesetz, das die Absetzung des Staatspräsidenten erlaubt. Der Vorgang wird im Kontext des Machtkampfs um den aufstrebenden Herausforderer Peter Magyar eingeordnet, dessen Lager an einer Neuordnung der Machtverhältnisse arbeitet. Die Quellenlage an diesem Tag ist mit nur einer Meldung ausgesprochen dünn und einseitig, sodass die genauen Motive, die betroffenen Personen und die verfassungsrechtliche Tragweite auf Basis der vorliegenden Information nur begrenzt zu beurteilen sind. Klar ist, dass der Schritt in ein politisch aufgeladenes Umfeld vor wichtigen innenpolitischen Weichenstellungen fällt.

Reuters

Wirtschaft

Ölpreis springt nach Hormus-Eskalation, Aktien fallen, Zinsspekulation zieht an

Hormus-Iran-KriseÖlmarktUS-Inflation

Der Ölpreis machte den stärksten Sprung seit April, nachdem Trump eine 20-Prozent-Abgabe für Fracht durch die Straße von Hormus forderte. Aktien und Anleihen gaben nach, Händler preisten eine mögliche Fed-Zinserhöhung ein.+ mehr Blickwinkel

Die erneute US-Iran-Eskalation an der Straße von Hormus schlug am 12. Juli voll auf die Märkte durch. Laut Bloomberg legte Öl den größten Tagessprung seit April hin, nachdem Trump erklärte, er wolle eine 20-Prozent-Abgabe für alle Frachten durch die Meerenge verlangen. Aktien und Anleihen fielen gemeinsam, weil eine mögliche Angebotsstörung neue Inflationssorgen weckte. Händler sehen laut Bloomberg inzwischen eine rund 50-prozentige Chance, dass die von Kevin Warsh geführte Fed noch im Juli die Zinsen anhebt, das WSJ nennt dies Warshs erste große Richtungsentscheidung. Reuters warnt, dass Europas Kerosinbestände bei anhaltender Störung für weniger als einen Monat reichen. Die konservative Welt kritisiert, den Preis für Trumps Schutzgeld-Manöver zahlten vor allem die Europäer. Die Bewertung fällt je nach Lager unterschiedlich aus: marktliberale Häuser betonen die Inflationsgefahr, europäische Stimmen die geopolitische Abhängigkeit.

BloombergBloombergReutersDie Welt

Asiatische Chipaktien im Ausverkauf trotz TSMC-Rekord

KI-BoomLieferketten-Geopolitik

Ein KI-getriebener Kursrutsch in Südkorea schwappte auf die USA über, SK-Hynix-Papiere fielen deutlich. Gleichzeitig meldete TSMC einen Rekordumsatz, doch Anleger fürchten eine Überhitzung des Booms.+ mehr Blickwinkel

Am 12. Juli setzte sich der Ausverkauf bei asiatischen Halbleiterwerten fort. Bloomberg berichtete, dass SK-Hynix-ADRs nach einem KI-getriebenen Kursrutsch in Südkorea in den USA um rund 9 Prozent nachgaben, was wachsende Sorgen vor einer überdehnten KI-Rally unterstreicht. Die Financial Times warnte zugleich, dass TSMC, SK Hynix und Samsung zusammen bereits 29 Prozent des MSCI-Schwellenländerindex ausmachen und Anleger diese Konzentration mit Unbehagen sehen. Dem stand ein Rekordquartal von TSMC dank starker KI-Nachfrage gegenüber, der Konzern kündigte laut Reuters zudem zwei neue Packaging-Werke in Taiwan an. Daily Sabah verweist auf die Kehrseite für Verbraucher, wonach Laptops, Smartphones und Konsolen durch die KI-getriebene Chip-Knappheit teurer werden. Die Lager stehen sich gegenüber: Optimisten sehen im TSMC-Rekord die fortlaufende Stärke der KI-Nachfrage, Skeptiker warnen vor einer gefährlichen Index-Konzentration und Blasenbildung.

BloombergFinancial TimesFinancial TimesReuters

VW-Chef Blume sucht Alternativen zu Werkschließungen

Europas WirtschaftVW-Krise

VW-Konzernchef Oliver Blume erklärte, es gebe intelligentere Lösungen als Werkschließungen, um Kosten zu senken. Betriebsrat und Gewerkschaft bereiten dennoch die nächste Eskalationsstufe vor.+ mehr Blickwinkel

Im Ringen um Zehntausende Arbeitsplätze bei Volkswagen signalisierte Konzernchef Oliver Blume am Wochenende, er wolle Werkschließungen vermeiden. Gegenüber der Bild am Sonntag sagte er, es gebe intelligentere Lösungen, ohne diese zu konkretisieren, wie Welt und Daily Sabah berichteten. Die Süddeutsche Zeitung beschreibt, dass es öffentlich einsam um Blume werde und Betriebsrat wie Gewerkschaft angesichts vager Andeutungen bereits die nächste Eskalationsstufe vorbereiten. Daily Sabah ordnet den Fall in eine breitere deutsche Autokrise ein, unter der auch junge Ingenieure leiden, die trotz zahlreicher Bewerbungen keine Stelle finden. Die Lager stehen sich gegenüber: Das Management betont Flexibilität und Alternativen, die Arbeitnehmerseite misstraut den unklaren Sparplänen und rüstet sich für Konflikt.

Die WeltSüddeutsche ZeitungDaily Sabah