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Die Lage · Ausgabe 5

Sonntag, 5. Juli 2026

Die OPEC+-Staaten vereinbarten eine weitere Förderanhebung für August und setzen damit ihren Expansionskurs fort, obwohl die Ölpreise bereits fallen. Möglich wird das, weil sich der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus nach dem Krieg zwischen Israel, den USA und Iran zunehmend normalisiert. Für die Förderländer bedeutet die Kombination aus mehr Menge und sinkenden Preisen geringere Einnahmen je Barrel, während Indien als großer Importeur seine heimische Ölexploration ausweitet, um die Abhängigkeit vom Golf zu verringern.

Geopolitisch zeichnet der Economist ein ernüchterndes Bild der europäischen Aufrüstung: Zwar befürworten die meisten Bürger stärkere Armeen, doch die Bereitschaft, dafür höhere Ausgaben zu tragen, bleibt gering, und zugesagte Verteidigungsmittel fließen nur langsam. EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen und NATO-Generalsekretär Rutte mahnten in einem Gastbeitrag, die Rüstungsindustrie müsse nun schneller und mehr produzieren, womit sich die Kluft zwischen politischer Rhetorik und tatsächlicher Kassenlage weiter zeigt.

Wirtschaftlich meldete der Elektronik-Auftragsfertiger Foxconn einen Umsatzsprung von fast 40 Prozent dank der Nachfrage nach KI-Servern, warnte jedoch zugleich vor geopolitischen Risiken durch die Spannungen zwischen den USA und China sowie die verwundbare Lage Taiwans. Uber pausierte unterdessen seine europäische Expansion, um Kapazitäten für einen möglichen Zusammenschluss mit dem Berliner Lieferdienst Delivery Hero freizuhalten, ein Schritt, der die europäische Lieferdienstlandschaft neu ordnen könnte.

Im Technologiebereich untersuchte der Economist Hinweise, dass China auf dem Weg zu einer eigenen Fähigkeit zur Herstellung von EUV-Lithografiemaschinen sein könnte, dem bislang von westlichen Exportkontrollen abgeschirmten Herzstück der Chipfertigung. Sollte Peking diese Hürde nehmen, würde dies die Wirkung der amerikanischen Technologie-Eindämmung erheblich schwächen, auch wenn zwischen einem Prototyp und industrieller Serienfertigung noch enorme Hürden liegen.

KI-BoomHormus-Iran-KriseÖlmarktEuropas VerteidigungNATOChinas Chipfertigung

Top-Thema des Tages

Wirtschaft
Symbolbild

OPEC+ erhöht Fördermenge erneut, während sich die Straße von Hormus beruhigt

Hormus-Iran-KriseÖlmarkt

OPEC+ hat für August eine weitere Anhebung der Ölproduktion beschlossen und pumpt damit zusätzliche Mengen in einen Markt mit fallenden Preisen. Zugleich normalisiert sich der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus nach dem Iran-Krieg schrittweise. Das energieabhängige Indien reagiert und baut seine heimische Förderung aus.+ mehr Blickwinkel

Die OPEC+-Gruppe hat laut einer Erklärung vom Sonntag eine weitere Förderanhebung für August vereinbart und setzt damit ihren Kurs der Angebotsausweitung fort, obwohl die Ölpreise bereits fallen. Aus Sicht der staatsnahen türkischen Daily Sabah ist dies möglich, weil sich der Verkehr durch die Straße von Hormus nach dem Krieg zwischen Israel, den USA und Iran allmählich normalisiert und die akute Blockadeangst nachlässt. Für Förderländer bedeutet die Kombination aus mehr Menge und niedrigeren Preisen sinkende Einnahmen je Barrel, ein Zeichen, dass Marktanteil derzeit Vorrang vor Preisstützung hat. Indien, einer der größten Importeure, zieht Konsequenzen aus dem Versorgungsschock des Krieges und weitet nach Angaben seines Ölministers die heimische Exploration aus, um die Abhängigkeit vom Golf zu senken. Die Quellenlage ist hier einseitig türkisch-staatsnah, was die entspannte Deutung der Hormus-Lage betont, unabhängige Bestätigung des Umfangs der Normalisierung fehlt. Klar ist, dass sich die Energiemärkte nach den Extremwochen des Junis wieder zu ordnen versuchen.

Daily SabahDaily Sabah

Geopolitik

Europa verspricht Milliarden für Verteidigung, liefert das Geld aber nicht

Europas VerteidigungNATO

Die meisten Europäer wünschen sich stärkere Streitkräfte, sind aber nicht bereit, dafür zu zahlen, analysiert der Economist. Zugleich rufen von der Leyen und Rutte die Industrie auf, mehr, besser und schneller zu produzieren. Zwischen politischem Versprechen und tatsächlicher Finanzierung klafft eine wachsende Lücke.+ mehr Blickwinkel

Der Economist zeichnet ein ernüchterndes Bild der europäischen Aufrüstung: Zwar befürworten Umfragen zufolge die meisten Bürger stärkere Armeen, doch die Bereitschaft, dafür höhere Ausgaben oder Steuern zu tragen, bleibt gering. Die zugesagten Mittel fließen langsam, Haushaltszwänge und politischer Widerstand bremsen die Umsetzung. In einem begleitenden Gastbeitrag argumentieren EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und NATO-Generalsekretär Mark Rutte, die Verteidigung werde zwar neu belebt, nun aber müsse die Rüstungsindustrie mehr, besser und schneller produzieren. Damit stehen sich zwei Lager gegenüber: die politische Führung, die Dringlichkeit und Fortschritt betont, und die nüchterne Analyse, die auf die Kluft zwischen Rhetorik und Kassenlage verweist. Beide Texte stammen aus dem liberalen Economist, eine breitere Quellenbasis fehlt an diesem Tag. Der Kern bleibt: Europas Wehrhaftigkeit entscheidet sich weniger an Absichtserklärungen als an der Frage, wer die Rechnung bezahlt.

The EconomistThe Economist (Gastbeitrag von der Leyen/Rutte)

Wirtschaft

Foxconn warnt trotz 40-Prozent-Umsatzsprung vor geopolitischen Risiken

KI-BoomLieferketten-Geopolitik

Der taiwanische Auftragsfertiger Foxconn meldet für das zweite Quartal einen Umsatzsprung von fast 40 Prozent, getrieben vom KI-Server-Boom. Zugleich warnt das Unternehmen ausdrücklich vor geopolitischen Unsicherheiten. Der wichtigste Apple- und Nvidia-Zulieferer sieht seine Lieferketten unter wachsendem Druck.+ mehr Blickwinkel

Foxconn, der weltgrößte Elektronik-Auftragsfertiger und Schlüssellieferant für Apple und Nvidia, verzeichnete im zweiten Quartal einen Umsatzanstieg von nahezu 40 Prozent, angetrieben vor allem von der Nachfrage nach KI-Servern. Trotz der starken Zahlen schlägt das Management laut Daily Sabah ungewöhnlich deutliche Warntöne an und verweist auf geopolitische Risiken, die das Geschäft belasten könnten. Gemeint sind die Spannungen zwischen den USA und China, mögliche Zölle sowie die verwundbare Lage Taiwans, von wo aus ein Großteil der globalen Hightech-Produktion gesteuert wird. Damit steht der Boom der KI-Hardware im Kontrast zur Fragilität der Lieferketten, auf denen er ruht. Die Meldung stammt aus einer einzelnen türkisch-staatsnahen Quelle, die die Foxconn-Aussagen zusammenfasst, ohne breitere Einordnung. Der Fall zeigt exemplarisch, wie stark selbst hochprofitable Tech-Konzerne inzwischen von der Weltpolitik abhängen.

Daily Sabah

Uber stoppt Europa-Expansion und peilt Übernahme von Delivery Hero an

Europas WirtschaftUber und Lieferdienste

Laut Financial Times legt Uber seine Expansion in Europa vorerst auf Eis. Der Grund: Der Konzern strebt einen Deal mit dem Lieferdienst Delivery Hero an. Ein Zusammenschluss würde die europäische Essenslieferbranche erheblich umformen.+ mehr Blickwinkel

Uber pausiert seine europäische Expansion, um Kapazitäten für einen möglichen Zusammenschluss mit dem Berliner Lieferdienst-Konzern Delivery Hero freizuhalten, berichtet die Financial Times. Statt weiter organisch in neue Märkte zu drängen, setzt der US-Konzern offenbar auf Konsolidierung durch Übernahme, um seine Position im hart umkämpften Geschäft mit Essenslieferungen zu stärken. Ein Deal dieser Größenordnung würde die europäische Lieferdienstlandschaft neu ordnen und dürfte die Aufmerksamkeit der Wettbewerbsbehörden auf sich ziehen, die einen zu großen Marktanteil kritisch prüfen würden. Für Delivery Hero, das zuletzt mit Profitabilitätsdruck kämpfte, könnte ein Zusammengehen mit Uber eine strategische Neuausrichtung bedeuten. Die Information beruht auf einem FT-Bericht, den Daily Sabah aufgreift, offizielle Bestätigungen der beteiligten Unternehmen stehen aus, der Stand ist entsprechend vorläufig. Bestätigt sich der Deal, wäre es eine der größten Branchenkonsolidierungen des Jahres.

Daily Sabah

Technologie

Hat China die wichtigste Maschine der Welt in die Hände bekommen?

Chinas ChipfertigungKI-Boom

Der Economist geht der Frage nach, ob China Zugang zur modernsten Chipfertigungstechnologie erlangt hat, die bislang als westliches Monopol galt. Es geht um die extrem-ultraviolette Lithografie, ohne die Spitzenchips nicht herstellbar sind. Ein Durchbruch würde die westlichen Exportkontrollen unterlaufen.+ mehr Blickwinkel

Im Zentrum der Analyse steht die extrem-ultraviolette Lithografie (EUV), die komplexeste und teuerste Maschine der Halbleiterfertigung, die bislang nur der niederländische Konzern ASML herstellt und die dank westlicher Exportkontrollen von China ferngehalten werden sollte. Der Economist prüft Hinweise, dass China auf dem Weg zu einer eigenen oder anderweitig beschafften Fähigkeit sein könnte, was das Fundament der amerikanischen Technologie-Eindämmung erschüttern würde. Sollte Peking die Hürde nehmen, könnte es Spitzenchips unabhängig produzieren und die Wirkung der Sanktionen entwerten, ein strategischer Wendepunkt im Tech-Wettlauf. Gegenstimmen verweisen darauf, dass zwischen einem Prototyp und industrieller Serienfertigung in dieser Präzisionsklasse noch enorme Hürden liegen. Der Beitrag stammt aus dem liberalen Economist und bleibt in der Bewertung des tatsächlichen Reifegrads bewusst vorsichtig, harte Belege sind naturgemäß schwer zu erlangen. Der Ausgang entscheidet mit darüber, ob die Chip-Blockade des Westens hält.

The Economist