SymbolbildReformer Drapatyj wird Oberbefehlshaber der ukrainischen Armee
Nach wochenlangen Protesten hat Präsident Selenskyj den bisherigen Armeechef Syrskyj entlassen und den als Reformer geltenden General Mychajlo Drapatyj zum Oberbefehlshaber ernannt. Der 43-Jährige gilt als Kritiker sowjetischer Führungskultur und Verfechter eines moderneren Drohnenkriegs. Auch der Verteidigungsminister wurde ausgetauscht.
Mit der Ernennung von Mychajlo Drapatyj reagiert Präsident Selenskyj auf eine Protestbewegung, die den Rücktritt des bisherigen Oberbefehlshabers Oleksandr Syrskyj gefordert hatte. Le Figaro (Frankreich) beschreibt den 43-Jährigen als kaltblütigen, populären Reformer, dessen Berufung als Zugeständnis an die Demonstranten erscheint. Der Economist (Großbritannien) hebt hervor, dass Drapatyj einen "moderneren Krieg" führen und die sowjetisch geprägte Führungskultur überwinden wolle. Die taz (Deutschland) betont, dass es den Protesten um mehr geht als eine Personalie, nämlich um den Umgang mit den eigenen Soldaten. Das Exilmedium Meduza (Russland) ordnet den Wechsel als Machtkampf über die Frage ein, wie der Krieg zu gewinnen sei, und verweist auf sichtbare Nervosität russischer Militärblogger. Bemerkenswert ist, dass Drapatyj vor einem Jahr nach dem Tod von zwölf Soldaten zurückgetreten war und nun an die Spitze zurückkehrt. Einig sind sich die Quellen, dass mit ihm und einem neuen Verteidigungsminister ein Kurswechsel in der Kriegsführung eingeleitet werden soll.
- Wahrscheinlich55%
Drapatyj übernimmt geordnet, die Proteste ebben ab, an der Frontlinie ändert sich zunächst wenig.
- Schlimmstenfalls20%
Der Führungswechsel verschärft interne Konflikte und schwächt die Verteidigung in einer kritischen Phase.
- Bestenfalls25%
Die Modernisierer setzen sich durch, der Drohnenkrieg gewinnt an Schlagkraft und die Einheit im Land wächst.