Unionsfraktionschef Spahn tritt über Leihmutterschafts-Debatte zurück
Jens Spahn ist als Vorsitzender der Unionsfraktion zurückgetreten, nachdem seine Vaterschaft über eine in Deutschland verbotene Leihmutterschaft eine Glaubwürdigkeitsdebatte ausgelöst hatte. Kanzler Merz nannte den Rücktritt unvermeidlich und drückt bei der Nachfolge aufs Tempo. Interimsweise übernimmt CSU-Landesgruppenchef Hoffmann.
Der frühere Bundesgesundheitsminister und seit 2025 amtierende Unionsfraktionschef Jens Spahn erklärte am Samstag in einem Brief an die Fraktion seinen Rücktritt, den Kanzler Friedrich Merz laut Spiegel zuvor in einem Telefonat verlangt hatte. Auslöser war die Debatte um sein durch eine Leihmutter in den USA geborenes Kind; Leihmutterschaft ist in Deutschland verboten, und Kritiker warfen Spahn Doppelmoral vor, da er entsprechende Verbote mitgetragen hatte. Die linke taz nannte den Rücktritt die einzig richtige Konsequenz, während konservative Stimmen wie Cicero ihm fehlende Einsicht vorwarfen. Der Spiegel verweist auf frühere Affären, darunter überteuerte Corona-Maskendeals und einen Villenkauf, und deutet den Rücktritt als einen Skandal zu viel. Die Berliner Zeitung kritisiert dagegen, das Land diskutiere über Moral statt über Lösungen für den demografischen Wandel. International griffen New York Times, BBC und Financial Times den Fall als Vorwurf der Heuchelei gegen einen Spitzenmann von Merz auf. Für die schwarz-rote Koalition kommt der Verlust eines als Stabilitätsanker geltenden Fraktionschefs zur Unzeit, während Merz rasch eine Nachfolge sucht.
