Nach Spahns Rücktritt: Union sucht Fraktionschef, Merz erwägt Kabinettsumbau
Einen Tag nach dem Rücktritt von Jens Spahn als Unionsfraktionschef berät die CDU/CSU-Spitze über die Nachfolge; Kanzler Merz schließt einen Kabinettsumbau nicht aus. Spahn war über die Debatte um Leihmutterschaft gestürzt. Bis zu einer Entscheidung übernehmen die Fraktionsvize Bilger und Hoffmann.
Die Unionsfraktion sucht nach dem überraschenden Rücktritt ihres Vorsitzenden Jens Spahn einen Nachfolger; am Montag berieten Präsidium und Fraktionsvorstand in Berlin. Konservative Stimmen wie die Welt und der CDU-Abgeordnete Mattfeldt (Cicero) dringen auf eine rasche Entscheidung, um Schaden von der Partei abzuwenden, und sehen im Zeitpunkt eine Gelegenheit für eine Kabinettsumbildung. Kanzler Friedrich Merz wies im ZDF-Sommerinterview Spekulationen über einen Umbau nicht zurück (‚Es könnte eine Gelegenheit sein‘). Linke und liberale Medien wie taz und Zeit deuten den Sturz als Ende eines Machtmenschen und werten den Rücktritt teils als Chance für Merz, sich von ‚handwerklichen Schwächen‘ zu befreien. Auslöser war die Empörung über die Leihmutterschafts-Debatte, in der die frühere Ministerin Renate Künast mit der Behauptung auffiel, Spahn und andere wollten über Leihmütter eine ‚eigene Elite‘ schaffen; die taz kritisiert Leihmutterschaft grundsätzlich als Ausbeutung. Als mögliche Nachfolger kursieren laut Spiegel mehrere Namen. Die Berliner Zeitung wirft Merz vor, in der Krise lieber über äußere Widrigkeiten als über verlorenes Vertrauen zu reden.
