Serbien: Pride-Karawane in Pirot abgesagt, Journalisten angegriffen
In der südserbischen Stadt Pirot wurde eine Pride-Karawane abgesagt, nachdem sich Gegner auf dem zentralen Platz versammelt hatten und die Sicherheit der Teilnehmer gefährdet war. Journalisten, darunter eine N1-Reporterin, wurden angegriffen. Aktivisten und Opposition werfen der Polizei Versagen vor.
Nach Angaben des unabhängigen Senders N1 sagte die Polizei in Pirot die für den Tag geplante Pride-Karawane ab, weil sich auf dem lokalen Platz Männer versammelt hatten, die gegen die Veranstaltung protestierten, und die Sicherheit der Teilnehmer nicht mehr gewährleistet war. Die Organisation „Da se zna!“ verurteilte die Entscheidung scharf und warf der Polizei vor, Hooligans das Leben von Journalisten gefährden zu lassen. Der serbische Journalistenverband UNS verurteilte den Angriff auf die N1-Reporterin Gordana Bjeletić und die Behinderung weiterer Reporter. Die oppositionelle Bewegung PSG sprach von einem offenen Rückzug der Institutionen vor der Gewalt. Die Berichterstattung stammt hier überwiegend aus unabhängigen serbischen Quellen, eine staatsnahe Gegendarstellung liegt nicht vor, was die einseitige Quellenlage sichtbar macht. Der Vorfall reiht sich in die von Widerstand und Gewalt geprägte Geschichte von Pride-Veranstaltungen in Serbien ein und berührt zugleich die Frage der Pressefreiheit im EU-Beitrittskandidaten.
